Euro-Raum: EZB-Inflationsziel nahezu erreicht

Der Preisdruck im Euro-Raum war im Januar 2017 deutlich stärker ausgeprägt als erwartet. Die jährliche Rate sprang auf +1,8 Prozent, nach +1,1 Prozent im Dezember 2016. Das ist der höchste Wert seit fast vier Jahren. Der Anstieg der EWU-Verbraucherpreise hat sich damit dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von „nahe aber unter zwei Prozent“ in einem großen Schritt genähert. Dabei bewegte sich die jährliche Rate noch vor wenigen Monaten nur leicht oberhalb der Null-Prozent-Marke. Erst in den vergangenen beiden Monaten haben sich die Verbraucherpreise dann aber mit ungewöhnlich großen Schüben weiter in den positiven Bereich vorgewagt. Der kräftige Anstieg der Inflation geht auf Energie und Nahrungsmittel zurück, letzteres wegen des kalten Wetters in den letzten Wochen. Die Inflation im Euroraum sollte in den kommenden Monaten relativ hoch bleiben, bevor sie in der zweiten Jahreshälfte wieder sinkt.

Was steckt hinter den hohen Zuwachsraten? Bereits im Dezember 2016 zeigte sich neben einer positiven Preiswende bei den Energiegütern auch ein merklicher Schub von der Preiskomponente für Nahrungs- und Genussmittel. Beide Preistreiber haben sich im Januar 2017 nun noch einmal deutlich verstärkt. Vor allem die Energiepreise legten mit einem Plus von +8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat kräftig zu.

Aber auch bei den Lebensmitteln wurde die Teuerung im Januar deutlicher ausgebaut. Insbesondere die unverarbeiteten Lebensmittel wie Obst und Gemüse stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um spürbare +3,3 Prozent an. Hinter dieser Teuerung steckte vor allem der kalte Winter, der insbesondere in der spanischen Agrarwirtschaft zu größeren Ernteausfällen und damit zu Lieferengpässen in vielen Ländern Europas geführt hatte. Die Angebotsverknappung dürfte viele Händler im Euro-Raum dazu bewogen haben, die Nahrungsmittelpreise kurzfristig stark anzuheben.

Die Kernrate verharrte indes mit moderaten +0,9 Prozent auf dem Vormonatswert. Sie bildet die Teuerungsrate ohne die stark schwankungsanfälligen Preiskomponenten für Energie- und Nahrungsmittelgüter ab. Die vergleichsweise schwächere Entwicklung der Kernrate wird überwiegend auf die bisher eher moderate Lohnentwicklung im Euro-Raum zurückgeführt. Zwar ist die Konsumlaune aktuell auf einem hohen Niveau. Der Nachfrageanstieg der privaten Haushalte reichte bisher aber offenbar noch nicht aus, um die höheren Einkaufspreise in der Industrie und bei den Dienstleistern an den Endkunden weiterzureichen.

Das Ende der Fahnenstange ist allerdings noch nicht ganz erreicht. Der Inflationsanstieg könnte sich im Februar nochmals fortsetzen. Hintergrund ist ein erneut positiver Basiseffekt vom Ölpreis: Vor einem Jahr verringerten sich nach dem unerwarteten Ölpreisrückgang die Preise für Energiegüter. Dieser negative Effekt sollte im Frühjahr 2017 nun auslaufen und für einen weiteren sichtbaren Aufwärtsschub in der Inflationsrate insgesamt sorgen. Zur Jahresmitte dürfte sich das relativ hohe Teuerungsniveau daher zunächst stabilisieren, bevor es im weiteren Jahresverlauf allmählich absinkt. Somit sollte sich die harmonisierte Teuerungsrate im Euro-Raum zumindest auch vorerst weiterhin nahe um das EZB-Inflationsziel bewegen.

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