EWU: Wachstumsdynamik in Q4 gesteigert – robustes Wachstum auch für 2017 zu erwarten

Mit einer Zuwachsrate des saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von +0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal verzeichnete die Europäische Währungsunion (EWU) nach zwei zuvor eher moderateren Quartalen zum Jahresende ein erfreuliches Ergebnis. Für das Gesamtjahr 2016 beläuft sich das Wirtschaftswachstum damit auf +1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme und Risiken, die das Jahr 2016 begleitet haben, ein durchaus solides Resultat. Denn zum Jahresanfang 2016 gab es noch massive Bedenken, dass beispielsweise die geplatzte Börsenblase und eine harte Landung in China die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte. Auch die Brexit-Entscheidung der britischen Bevölkerung führte kurzfristig zu massiven Kurskorrekturen an den internationalen Finanzmärkten. Beides hat der Konjunktur in der EWU aber nicht nachhaltig schaden können.

Unter den Mitgliedsländern haben einige ebenfalls schon erste Wachstumszahlen veröffentlicht. Spanien vermeldete ein Wirtschaftswachstum von +0,7 Prozent im Schlussquartal, Frankreich von +0,4 Prozent, Belgien von +0,4 Prozent und Österreich von +0,6 Prozent. Damit war die konjunkturelle Dynamik in den meisten Ländern, die schon Schnellschätzungen abgegeben haben, gegenüber dem dritten Quartal etwas kräftiger.

Der Ausblick auf das noch junge Jahr 2017 lässt nach dem kräftigen Wachstum im Schlussquartal 2016 auf eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung in der EWU hoffen. Nicht nur, dass mit dem zuletzt guten Wachstumsergebnis eine äußerst stabile Basis für das Jahr 2017 gelegt wurde, auch erste vorauslaufende Stimmungsindikatoren zur Einschätzung der Lage und zu den Wachstumsperspektiven der EWU einen ebenfalls guten Jahresstart erwarten lassen.

Allerdings wird es schwierig, das höhere Wachstumstempo zum Jahreswechsel über das gesamte Jahr zu halten. Zahlreiche Unsicherheitsfaktoren bleiben auch im laufenden Jahr bestehen und neue kommen hinzu. Dazu zählen der Beginn und der Verlauf der Austrittsverhandlungen des Vereinigten Königreichs mit der europäischen Union, die weitere Ausgestaltung der US-Wirtschaftspolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump und schließlich die Parlaments- und/oder Präsidentschaftswahlen in den Niederlanden, in Frankreich und in Deutschland. Wir gehen nicht davon aus, dass das Wirtschaftswachstum dadurch zum Erliegen kommt.

Auch eine verstärkte Rückkehr der Inflation könnte das Wachstum bremsen. Im Januar zog die Inflationsrate sehr deutlich von +1,1 auf +1,8 Prozent an. Maßgeblich dafür waren die im Jahresvergleich höheren Preise für Energie sowie höhere Nahrungsmittelpreise. Während in den vergangenen beiden Jahren die niedrige Teuerungsrate der Verbraucherpreise zusätzlichen Ausgabenspielraum bei den privaten Haushalten geschaffen hatte, könnte jetzt die Inflation die privaten Konsumausgaben in der EWU etwas bremsen.

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