US Arbeitsmarkt weiterhin robust, die Löhne steigen aber kaum noch

Der erste Arbeitsmarktbericht unter dem neuen US-Präsidenten zeigt einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Beschäftigten um knapp 230.000 Personen. Nachdem der Schwung am Arbeitsmarkt im vierten Quartal, also in den letzten Wochen unmittelbar vor und nach der Präsidentschaftswahl, etwas nachgelassen hatte, knüpfte die Jobdynamik nach dem Jahreswechsel wieder an das recht robuste Tempo vom Spätsommer an. Angesichts der guten Stimmungslage in allen Wirtschaftsbereichen ist dies keine allzu große Überraschung. Auch der zweite Anstieg der Arbeitslosenquote in Folge – trotz der guten Beschäftigungsdynamik – kommt für uns nicht unerwartet, zumindest hatten wir keinesfalls mit einem Rückgang der Quote gerechnet. Besonders zu Jahresbeginn weitet sich in der Regel das Angebot an Arbeitskräften deutlich aus. Also die Zahl an Personen, die tatsächlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wächst überdurchschnittlich stark und bremst den Abbau der Arbeitslosigkeit.

Dennoch zeigt nach unserer Einschätzung der heutige Bericht, dass „die Temperatur am Arbeitsmarkt“ weiter gestiegen ist. Denn nach offiziellen Schätzungen befindet sich die Arbeitslosenquote mit einem Wert von 4,8 Prozent in einem Bereich, der gerade noch so als inflationsneutral eingestuft wird. Mit jedem weiteren Monat, den der US-Jobmotor weiter rund läuft, wächst deshalb das Risiko, dass die Lohnsteigerungen sichtbar Fahrt aufnehmen. Wir rechnen aus zwei Gründen damit, dass ungefähr ab der Jahresmitte die Lohndynamik anzieht. Einerseits dürften dann ansonsten ohne Lohnzugeständnisse viele Stellenangebote unbesetzt bleiben. Andererseits sollte bis dahin Klarheit über die zukünftige Wirtschaftspolitik bestehen und damit die Unternehmer Planungssicherheit haben. Der Wachsamkeit der Fed-Oberen dürfte eine anziehende Lohndynamik keinesfalls entgehen. Andererseits dürften sie bei ihren Entscheidungen auch berücksichtigen, dass erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung ein Einfluss auf die Inflation entsteht.

Noch ein paar weitere Fakten untermauern unser Bild der „steigenden Temperatur“. Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass der Stellenaufbau im Januar allein von der privaten Wirtschaft getragen wurde. Im öffentlichen Sektor sank hingegen die Zahl der Beschäftigten um 10.000 Personen. Darüber hinaus ist im güterproduzierenden Bereich anscheinend das Beschäftigungstief überwunden: Hier steht zum einen eine kräftige Steigerung um 45.000 Personen gegenüber dem Vormonat zu Buche, zum anderen war dies der fünfte Monat in Folge mit einem Stellenplus. Dennoch war der Dienstleistungsbereich mit 192.000 neuen Arbeitskräften mal wieder der wesentliche Jobmotor. Für bemerkenswert halten wir noch, dass der Stellenaufbau im Servicebereich auf einer breiten Basis stand, sich also auf zahlreiche Branchen verteilte.

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