Japan: Wegen schwacher Binnennachfrage erneut kaum Wirtschaftswachstum

Die japanische Wirtschaft hat im vierten Quartal 2016 etwas an Wachstumsdynamik eingebüßt. Trotz ausgeweiteter Staatsausgaben fiel das Wirtschaftswachstum mit +1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal (annualisiert) etwas schwächer aus als erwartet. Im Vorquartal waren noch +1,4 Prozent gemeldet worden. Die jüngste Zahl ist insofern eine Enttäuschung, als im Zuge des neuen Fiskalpaketes der Regierung zum Jahresende allgemein mit einem stabilen, robusten Wachstum gerechnet wurde. Positiv ist allerdings, dass das gesamte Jahr 2016 für Japan nun kein einziges negatives Quartalswachstum ausgewiesen hat, die konjunkturelle Stabilisierung hat also leichte Fortschritte gemacht. Der zuletzt wieder schwächere Yen hat dabei sicher mitgeholfen, stützt er doch Japans Exporte. Das reale Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr 2016 beläuft sich nun, wie von uns zuvor prognostiziert, auf +1,0 Prozent.

Nach den jüngsten Wachstumszahlen für das abgelaufene Jahr halten wir unsere bisherige Prognose für Japans Bruttoinlandsprodukt aufrecht. Wegen der auslaufenden Impulse vom aktuellen Fiskalpaket und dem Ausbleiben von weiteren Abwertungsschüben beim Yen erwarten wir auch für dieses und nächstes Jahr nur schwaches Wachstum von +0,9 Prozent (2017) beziehungsweise +0,8 Prozent (2018).

Der leichte Wachstumsrückschlag in Q4 beruht maßgeblich auf schwächerer Binnennachfrage: Der private Konsum als wichtigster Nachfragekomponente hat trotz erkennbarer Stimmungsverbesserungen bei den privaten Haushalten zum Jahresende nur stagniert, nachdem er im dritten Quartal noch um 0,3 Prozent zugelegt hat. Dieser bremsende Impuls konnte durch den um +0,4 Prozent ausgeweiteten Staatskonsum nicht kompensiert werden. Auch die Bruttoanlageinvestitionen verhielten sich trotz des Impulses durch das jüngste Fiskalpaket nicht so dynamisch wie erwartet und stiegen lediglich um +0,25 Prozent (ggü. Vorquartal, einfache Rate). Dagegen kam von den Exporten ein klarer positiver Impuls, sie legten um +2,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu, nach +2,1 Prozent im dritten Quartal. Allerdings stiegen auch die Importe, so dass der Wachstumsbeitrag aus dem gesamten Außenhandel im Endquartal negativ blieb.

Ein Grund für die zuletzt eher schwache private Konsumnachfrage war sicher der zuletzt stagnierende Trend bei den Reallöhnen. Ohne steigende Haushaltseinkommen kann aber die mittelfristige Konjunkturerholung Japans schnell wieder in Gefahr geraten. Es bleibt abzuwarten, ob die diesjährige Lohnrunde in der gewerblichen Wirtschaft, die in der Regel durch die alljährliche „Frühlingsoffensive“ der Gewerkschaften („Shunto-Runde“) im März eingeläutet wird, den Arbeitnehmern sichtbare Gehaltszuwächse verschaffen wird. Die Regierung und die Notenbank plädieren schon lange für deutliche Nominallohnsteigerungen, um endlich einen nachfragegetriebenen, nachhaltigen Schub für die Wirtschaft auszulösen. Die derzeitige von der Wechselkursentwicklung wieder vorteilhaft beeinflusste Gewinnlage der großen Unternehmen dürfte einem Gehaltssprung bei den Arbeitnehmern eigentlich kaum im Wege stehen.

 

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