Warum wir auch in Zukunft gutes Research brauchen

  • Das Banken-Research hat es derzeit mit vielfältigen Herausforderungen zu tun. Die Ansprüche unserer Kunden, zu denen sowohl die Volks- und Raiffeisenbanken als auch institutionelle Investoren gehören, sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Denn unsere Kunden müssen wiederum selbst erhöhten Anforderungen der End- bzw. Privatinvestoren genügen.
  • Die zunehmende Regulierung beeinflusst nahezu alle unserer Arbeitsschritte und sorgt auch im Research für einen merklich steigenden Aufwand. Gleichzeitig besteht aufgrund des sehr starken Wettbewerbs bei den Kunden oft nur eine geringe Bereitschaft, für Research zu zahlen. Das wird sich allerdings schon bald ändern, denn durch die neuen „Mifid II“-Vorschriften muss Research ab dem kommenden Jahr ein angemessen bepreister Service sein.
  • Die zurückgehende Zahl von Analysten in den großen Banken in den letzten Jahren und die zunehmende Regulierung haben bei einigen Beobachtern zu der Vermutung geführt, dass das „Sellside Research“, das in der Regel von Banken bereitgestellt wird, möglicherweise so stark unter Druck geraten könnte, dass sogar seine Existenz gefährdet sein könnte. Die Financial Times hat diesem Thema jüngst sogar eine ganze Artikelserie gewidmet.
  • Vielfach machen es sich die Kritiker allerdings zu einfach: Dass es im Nachhinein keines großen Sachverstandes mehr bedarf, um ein gutes und profitables von einem verlustbringenden Investment zu unterscheiden, liegt auf der Hand. Eine Prognose kann die Unsicherheit der Zukunft nicht beseitigen. Schließlich sind Analysten weder Hellseher noch Propheten – aber sie können dazu beitragen, mit ihren Analysen und Prognosen diese Unsicherheit zu verringern und Investoren damit die Planung zu erleichtern.
  • Die aktuellen Ergebnisse unseres Research sprechen hier eine eindeutige Sprache: Es ist uns sowohl bei der Auswahl von profitablen Investmentideen am Aktienmarkt als auch bei der Steuerung eines Assetklassen-übergreifenden Musterportfolios gelungen, in den vergangenen Jahren sehr gute Anlageergebnisse zu erzielen und die entsprechenden Benchmarks deutlich zu übertreffen.
  • Research liefert schließlich auch einen Beitrag zur „Demokratisierung“ des Kapitalmarkts, denn insbesondere Privatanleger wären ohne die Unterstützung durch fachkundige Analysten nicht in der Lage, fundierte Investmententscheidungen zu treffen. Gutes Research wird für alle Kapitalmarktinvestoren daher auch in Zukunft unverzichtbar sein.

Neue Anforderungen an das Research
Die vergangenen zehn Jahre waren für die Banken überall auf der Welt – und besonders in Europa – eine Zeit des Wandels und der Umstrukturierung. Die Geschäftsmodelle haben sich verändert, zum Teil getrieben durch neue Kundenwünsche und marktbezogene Anforderungen, zum Teil auch durch eine ganze Reihe von Regulierungen, die den Geschäftsprozess in vielfältiger Weise beeinflussen und durchdringen. Diese Veränderungen betreffen selbstverständlich auch die Research­abteilungen der Banken, die zumeist ein zwar unabhängiger, aber doch integraler Bestandteil des Kapitalmarktgeschäftes sind. In der DZ BANK agiert das Research völlig unabhängig.

Dabei hat es das Banken-Research – auch bei uns in der DZ BANK – derzeit mit vielfältigen Herausforderungen zu tun. Die Ansprüche unserer Kunden, zu denen sowohl die Volks- und Raiffeisenbanken als auch institutionelle Kunden wie Investmentfonds oder Versicherungen gehören, sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Denn unsere Kunden wiederum müssen selbst erhöhten Anforderungen der End- bzw. Privatinvestoren genügen.

Regulierung nimmt starken Einfluss
Die zunehmende Regulierung beeinflusst dabei nahezu alle unserer Arbeitsschritte. So sind wir verpflichtet, unseren Research-Prozess ausführlich zu dokumentieren, was mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden ist. Ein weiteres Beispiel ist die Clean Desk Policy. Es darf keine Möglichkeit bestehen, dass unbefugte Mitarbeiter Unterlagen auf Schreibtischen sehen, durch die sie Einblick in laufende Research-Arbeit erhalten.

Die allgemein zunehmende Regulierung sorgt damit auch im Research für einen merklich steigenden Aufwand. Gleichzeitig besteht aufgrund des sehr starken Wettbewerbs bei den Kunden oft nur eine geringe Bereitschaft, für Research zu zahlen. Das wird sich allerdings zwangsläufig ändern, denn durch die neuen „Mifid II“-Vorschriften muss Research ab dem kommenden Jahr ein angemessen bepreister Service sein, wenn er nicht grundsätzlich als gesondert zu rechtfertigende Zuwendung gelten soll. Es darf grundsätzlich nicht mehr im Rahmen von Transaktionen quasi als kostenloses Beiwerk mitgeliefert werden.

Verändertes Marktumfeld fordert neue Antworten
Das Research passt sich an die veränderten Marktbedingungen an und folgt auch dem sich wandelnden Bedarf der Kunden. So spielt an den Aktienmärkten die Börseneinführung von neuen Unternehmen heute eine wesentlich kleinere Rolle als noch vor einigen Jahren, und viele Investoren sind durch neue Regulierungen in ihren Möglichkeiten beschränkt, in Aktien zu investieren. Die Banken haben auf diese Entwicklungen reagiert, indem sie ihr Aktienresearch in den letzten Jahren umstrukturiert und zumeist auch merklich verkleinert haben.

Gleichzeitig sorgt das durch die extrem expansive Geldpolitik geprägte Niedrigzinsumfeld aber dafür, dass zumindest für den Privatanleger Investments am Anleihemarkt weitgehend uninteressant geworden sind. Alternativen sind gefragt, und hier zählen neben Immobilien, Rohstoffen und alternativen Investments natürlich auch die Aktien zu den bevorzugten Möglichkeiten. Chancen am Aktienmarkt zu erkennen und gegen die bestehenden Risiken abzuwägen bleibt damit eine wichtige Aufgabe, die das Research für seine Kunden übernimmt.

Die Preisverzerrungen an den Anleihemärkten machen es unterdessen für institutionelle Investoren, die etwa aus regulatorischen Gründen nicht auf andere Investments ausweichen können, umso wichtiger, bestehende Renditechancen im Fixed-Income-Markt auch erkennen und nutzen zu können. Hierfür ist ein spezialisiertes Bond-Research unverzichtbar, das sich auf immer ausgefeiltere und kompliziertere Modelle stützen kann.

Research hat auch seinen Preis
Insgesamt wird das Research damit vielfältiger und stärker auf die verschiedenen Kundenbedürfnisse zugeschnitten. Die neuen technischen Möglichkeiten gestatten es, auch in der Verteilung des Research neue Wege zu gehen und die Kunden etwa über das Internet mit einem „maßgefertigten“ Researchprodukt zu versorgen und ihnen damit einen langen und mühsamen Suchprozess zu ersparen.

Auch die seit Jahren steigenden Anforderungen durch die stärkere Regulierung des Bankgeschäfts machen Anpassungen im Research-Prozess nötig. Generell ist mit den Vorschriften ein größerer Verwaltungsaufwand verbunden, nicht nur bei der Research-Erstellung, sondern auch bei unseren Kunden, etwa den Privatkundenberatern in den Volks- und Raiffeisenbanken. Dabei versuchen wir, unsere Kunden so weit wie möglich dabei zu unterstützen, sich in der Vielzahl der neuen Regelungen zurechtzufinden. Wir bieten neue Services wie etwa Archivierungsleistungen an, ohne die kein Beratungsgeschäft für Privatkunden mehr gemacht werden kann. Wir haben daneben unsere Produkte entlang den neuen Richtlinien so organisiert, dass wir neben den deutlich stärker regulierten „Finanzanalysen“ heute auch die „Sonstigen Research-Publikationen“ anbieten, die z.B. von den Beratern nach wie vor an Endkunden ohne neuen Kontrollaufwand weitergegeben werden können.

Mit den Mifid II-Vorschriften wird ab Anfang nächsten Jahres eine neue Regulierung hinzukommen, die die Beziehung zwischen den Anbietern von Research und ihren institutionellen Kunden neu gestalten wird. Um hier für mehr Transparenz zu sorgen, darf Research zukünftig grundsätzlich nicht mehr kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Die Folgen für das Research ganz allgemein sind derzeit noch sehr schwer abzusehen.  Aus unserer Sicht könnte Mifid II dazu führen, dass kleinere Research-Häuser unter Druck geraten. Die Kunden müssen den Kauf von Research in der Regel dokumentieren und begründen, insbesondere um eine neue Zuwendungsproblematik zu vermeiden oder zu rechtfertigen. Dadurch könnte auf der Nachfrageseite eine Tendenz entstehen, mit nur noch wenigen etablierten Playern zusammen zu arbeiten. Für die Anbieter wird es damit immer wichtiger, sich mit klaren Alleinstellungsmerkmalen von der Konkurrenz abzuheben.

Aus unserer Sicht ist das aber insgesamt eine positive Entwicklung. Wir in der DZ BANK haben neben unserem sowohl breiten als auch spezialisierten Angebot dabei den Vorteil, dass wir schon über ein etabliertes Preismodell für unsere Verbundbanken verfügen, auf das wir auch im Geschäft mit den institutionellen Kunden aufbauen können. Wie die gesamte Branche ihre Preisstrukturen verändern wird, scheint allerdings derzeit noch völlig offen zu sein.

Warum Research auch in Zukunft gebraucht wird
Die zurückgehende Zahl von Analysten in den großen Banken in den letzten Jahren und die zunehmende Regulierung haben bei einigen Beobachtern zu der Vermutung geführt, dass das „Sellside Research“, das in der Regel von Banken bereitgestellt wird, möglicherweise so stark unter Druck geraten könnte, dass sogar seine Existenz gefährdet sein könnte. So hat etwa die Financial Times jüngst diesem Thema eine ganze Artikelserie gewidmet. Darin werden teilweise unbestrittene Tatsachen wie die genannten Markt- und Regulierungstrends kombiniert mit weitgehend unbelegten Behauptungen über eine ungenügende Qualität des Research und die mangelnde Treffsicherheit von Prognosen.

Mit dieser Art von Kritik sind Analysten und Prognostiker immer wieder konfrontiert. Vielfach machen es sich die Kritiker dabei zu einfach: Dass es im Nachhinein keines großen Sachverstandes mehr bedarf, um ein gutes und profitables von einem verlustbringenden Investment zu unterscheiden, liegt auf der Hand. Eine Prognose kann jedoch die Unsicherheit der Zukunft nicht beseitigen, sie kann nicht mehr sein als eine bedingte Wahrscheinlichkeitsaussage. Schließlich sind Analysten weder Hellseher noch Propheten – aber sie können dazu beitragen, mit ihren Analysen und Prognosen diese Unsicherheit zu verringern und Investoren damit die Planung zu erleichtern.

Erfolgreiche Anlageempfehlungen des DZ BANK Research
Neben diesen grundsätzlichen Überlegungen sprechen auch die aktuellen Ergebnisse unseres Research eine eindeutige Sprache: Es ist uns sowohl bei der Auswahl von profitablen Investmentideen am Aktienmarkt als auch bei der Steuerung eines Assetklassen-übergreifenden Musterportfolios gelungen, in den vergangenen Jahren sehr gute Anlageergebnisse zu erzielen und die entsprechenden Benchmarks deutlich zu übertreffen.

So ist etwa unser gemischtes „DZ BANK Portfolio“ nun bereits seit über 5 Jahren erfolgreich am Markt. Es handelt sich um ein Muster-Portfolio für Investments in Aktien, Renten, Rohstoffe und Bargeld, mit dem wir einen Total-Return-Ansatz verfolgen. Seit Auflage im Juni 2011 konnte eine Performance von 8,4% p.a. erzielt werden. Unsere Zielrendite von 4% bis 5% p.a. wurde seither in jedem der Jahre übertroffen. Dabei schneidet unser Portfolio auch vorteilhaft ab, wenn wir der Rendite das Risiko gegenüber stellen. Dazu greifen wir als Kennzahl für das Risiko auf die Volatilität zurück, also die Schwankungsbreite des Kursverlaufs. Diese liegt für das DZ BANK Portfolio im gesamten Zeitraum mit 5,7% nur leicht über der Volatilität von Euro-Staatsanleihen (4,6%). Das Portfolio zeichnet sich somit durch eine geringere Schwankungsintensität als ein passives 50% DAX / 50% Euro-Staatsanleihe Portfolio aus, das eine Volatilität von 9,5% aufweist. Der DAX allein kommt dagegen auf eine relativ hohe Volatilität von 18,9%, die etwa ein Investor in einen entsprechenden ETF-Fonds zu tragen hätte.

Für Aktien-Investoren halten wir ständig eine Auswahl an interessanten „Aktien-Ideen“ bereit, ein Produkt, das sich in den letzten Jahren ebenfalls sehr gut entwickelt hat. Im Jahr 2016 konnten unsere „DZ BANK Equity Ideas“ einen Wertzuwachs von 14,4% (2012: 38,4%; 2013: 36,7%; 2014: 17,4; 2015: 3,1%) verzeichnen. Im Vergleich zum HDAX entspricht dies einer Outperformance von 3,8% (2012: +12,9%; +2013: +11,5%; 2014: +13,4%; 2015: -9,9%), wovon 3,5% auf unsere Kaufempfehlungen und 0,3% auf unsere Verkaufsempfehlungen entfallen. Seit dem Start der DZ BANK Equity Ideas am 02. Januar 2012 ergibt sich ein Wertzuwachs von kumuliert 162% bzw. eine Outperformance im Vergleich zum gesamten Aktienmarkt von 58%.

Bedeutung des Research sollte nicht unterschätzt werden
Für uns steht außer Frage, dass gutes Research sowohl für institutionelle Kunden als auch für Privatanleger nicht nur weiterhin seine Existenzberechtigung hat, sondern in Zukunft auch unter den veränderten Rahmenbedingungen auf eine anhaltende Nachfrage stoßen wird. Nicht zuletzt liefert Research einen wichtigen Beitrag zur Diskussion bzw. zur Meinungsbildung am Kapitalmarkt. Um sich seinen Wert vor Augen zu führen, muss man sich nur eine Welt vorstellen, in der es keine Analysten mehr gibt und in der sich jeder Anleger zu jeder Investmentmöglichkeit seine eigenen Gedanken zu machen hat. Angesichts von Quartalsberichten mit vielen Hundert Seiten wird schnell klar, dass Research als Informationsinstanz und Unterstützung bei der Meinungsbildung unverzichtbar ist. Auch die Aufgabe, die politische und wirtschaftliche Entwicklung in den wichtigsten Ländern laufend zu verfolgen und einzuschätzen, was als Basis für jede Investmententscheidung dienen sollte, ist ohne ein Team von fachkundigen Ökonomen nicht zu bewältigen.

Research liefert insofern einen Beitrag zur „Demokratisierung“ des Kapitalmarkts, denn insbesondere Privatanleger wären ohne die Unterstützung durch fachkundige Analysten nicht in der Lage, fundierte Investmententscheidungen zu treffen. Allein auf sich gestellte Anleger wären mit der Informationsflut heillos überfordert und hätten im Vergleich zu den institutionellen Investoren am Markt somit einen riesigen Informationsnachteil. Research-Analysten, die innerhalb ihrer Häuser schon allein durch die Regulatorik unabhängig sind, können hier auch in Zukunft zweifellos einen Mehrwert liefern.

Natürlich haben auch die Research-Anbieter einen klaren Nutzen: Banken betreiben Research schließlich auch, um Transaktionen zu generieren. Das ist aber bei Weitem nicht alles. Research ist für die Banken einer der wichtigsten Kommunikationswege zu Kunden und Öffentlichkeit. Für die DZ BANK kommt hinzu, dass Research eine wichtige Unterstützungsleistung für die Genossenschaftsbanken bei deren Marktantritt im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden ist.

Research im Wandel der Zeiten
Sicherlich wird das Research in zehn Jahren anders aussehen als heute. Wie überall wird der technische Fortschritt im Zuge der Digitalisierung sowohl die Erstellung als auch den Vertrieb von Research nachhaltig verändern. Die Automatisierung wird besonders bei der Verarbeitung großer Datenmengen („Big Data“) weiter voranschreiten, die Modelle der quantitativen Analyse werden wohl entsprechend noch umfangreicher und komplizierter werden.

Gleichzeitig werden beim Vertrieb des Research die individuellen Kundenbedürfnisse eine entscheidende Rolle spielen. Die Kunden erhalten nicht mehr wahllos eine große Menge an Publikationen und Analysen, aus der sie sich dann das heraussuchen müssen, was sie aktuell besonders interessiert. Sie werden durch ihre Nachfrage ein Bedarfsprofil entwickeln, aus dem ein für sie „maßgeschneidertes“ Research-Produkt abgeleitet werden kann. Die Beziehung zwischen Research-Anbieter und Kunde wird interaktiver werden, so dass die Kunden auch auf die Research-Themen direkter Einfluss nehmen können.

Die Research-Landschaft steht also auch in den kommenden Jahren vor großen Veränderungen. Die Automatisierung wird zweifellos fortschreiten. Der Bedarf an gut ausgebildeten und erfahrenen Menschen, die in der Marktanalyse arbeiten und den Blick auf die großen Trends und das Gesamtbild behalten, wird aber bestehen bleiben. Gutes Research wird für alle Kapitalmarktinvestoren daher auch in Zukunft unverzichtbar sein.

 

 

 

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