EZB könnte das Kaufprogamm für Staatsanleihen perspektivisch flexibler gestalten

Am gestrigen Donnerstag hat die EZB das Protokoll ihrer Sitzung vom 19. Januar veröffentlicht. Besondere Beobachtung seitens der Marktteilnehmer fand hierin die Bereitschaft der Ratsmitglieder, zumindest zeitweise und in begrenztem Ausmaß vom fixen Ankaufschlüssel des Staatanleihe-Ankaufprogramms PSPP abzuweichen. Dieser ist an die Anteile der nationalen Notenbanken am Eigenkapital der EZB angelehnt, um somit ein objektives und verbindliches Maß vorweisen können, wie sich die aktuell etwa 70 Mrd. Euro an monatlichen Käufen von EWU-Staatsanleihen verteilen. Demnach entfallen auf Bundesanleihen 26 Prozent des Ankaufvolumens, gefolgt von französischen (20 Prozent) und italienischen (18 Prozent) Papieren.

Bereits in der Vergangenheit hat sich die EZB nicht immer sklavisch an den selbst vorgegebenen Kapitalschlüssel gehalten. Das besondere ist nun, dass die EZB ein solches Vorgehen nun für bemerkenswert hält und dies extra im Protokoll festhalten lässt. Mit dem geringer werdenden Bestand an Bundesanleihen und den zunehmenden politischen Turbulenzen in Italien und Griechenland scheint die Nervosität in der EZB zuzunehmen, und man möchte sich hier für ein solches Verhalten absichern. Ob dies ein erster Schritt hin zu einer dauerhaften Aufweichung des Kapitalschlüssel ist, wird sich noch zeigen. Jedoch dürfte es der EZB schwerfallen, das Kaufprogramm für Staatsanleihen schnell zu beenden. Hierfür ist der – fundamental und politisch durchaus begründete – Druck auf die Anleihemärkte der Peripherieländer zu groß. Entsprechend wäre es nur vorausschauend von der EZB, bereits jetzt die Märkte auf eine solche Entwicklung vorzubereiten.

 

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