Globale Konjunktur auf Erholungskurs

Die globale Konjunktur befindet sich im Aufwind. 2016 erlebte die Weltwirtschaft mit einem Wachstum von nur 2,9 Prozent noch das schwächste Jahr seit der Krise 2009. In diesem Jahr dürfte die globale Wirtschaftsleistung immerhin um gut einen Viertel Prozentpunkt dynamischer zulegen und mit einer Zuwachsrate von 3,2 Prozent wieder an das durchschnittliche Expansionstempo der Jahre 2012-2015 anschließen.

Seit etwa einem halben Jahr signalisieren weltweite Frühindikatoren, dass sich eine Erholung der globalen Konjunktur abzeichnet. So ist der von uns selbst berechnete „Welt-Frühindikator“, der auf konjunkturell vorlaufenden Datenreihen aus den wichtigsten Weltregionen aufbaut und einen recht engen Zusammenhang mit der globalen Wirtschaftsentwicklung aufweist, seit September 2016 wieder kräftig angestiegen. Vorher hatte sich der Indikator rund ein Jahr lang kaum mehr als seitwärts bewegt.

Auch die Rohstoffpreise haben eine wichtige Indikatorfunktion für die globale Konjunktur. Insbesondere die Preise für Nicht-Eisen-Metalle stehen üblicherweise in einem recht engen Zusammenhang mit der weltweiten Industrieproduktion, aber auch der Ölpreis wird über die globale Nachfrage von den Konjunkturschwankungen beeinflusst. Bereits seit einigen Monaten weisen etwa die Weltmarktpreise für Kupfer, Brent-Rohöl sowie Agrarrohstoffe recht steil nach oben.

In regionaler Betrachtung kommen die wichtigsten Beiträge zur globalen Konjunkturerholung in diesem Jahr voraussichtlich aus Nord- und Südamerika. Allein die für 2017 erwartete Wachstumsbeschleunigung in den USA trägt knapp ein Drittel zur globalen Konjunkturverbesserung bei.

Noch deutlich größer ist der globale Wachstumsbeitrag Lateinamerikas, das im vergangenen Jahr noch in einer tiefen Rezession steckte. Für 2017 erwarten wir für Brasilien zumindest ein Ende des wirtschaftlichen Schrumpfungsprozesses, für Argentinien gehen wir von einer Rückkehr zu positiven Wachstumsraten aus. Obwohl die Wirtschaft in Mexiko wohl unter den Auseinandersetzungen mit der neuen US-Regierung leiden wird und die Talfahrt der Wirtschaft Venezuelas auch 2017 weitergehen dürfte, schafft Lateinamerika insgesamt in diesem Jahr den „Turnaround“. Unter den übrigen Schwellenländern dürfte sich besonders die Stabilisierung der russischen Wirtschaft positiv bemerkbar machen. Die trendmäßige Wachstumsverlangsamung in China bleibt dagegen auch in diesem und im nächsten Jahr tendenziell ein Bremsschuh für die globale Konjunktur.

In vielen Ländern spielt eine expansivere Ausrichtung der Fiskalpolitik derzeit eine wichtige Rolle für die Aufhellung des konjunkturellen Ausblicks. In China würden die Wachstumsraten wohl noch deutlich stärker zurückgehen, wenn die Regierung nicht bereits seit Monaten auf einen expansiveren Ausgabenkurs umgeschaltet hätte. In den Vereinigten Staaten sind die zu erwartenden Fiskalimpulse ebenfalls ein wichtiges Argument für die etwas optimistischeren Konjunkturprognosen und wohl auch ein zentraler Grund für die aktuell sehr positiven Stimmungsindikatoren. Und in Europa verhindert eine etwas expansivere Ausrichtung der Finanzpolitik in den meisten Ländern, dass sich das Wachstum in diesem Jahr noch stärker abschwächt.

Daneben spielt die Erholung der Rohstoffpreise sicherlich eine wichtige stabilisierende Rolle, insbesondere für viele Schwellenländer. Russland etwa kann von dem gestiegenen Ölpreis ebenso profitieren wie viele andere ölexportierende Länder, und auch die großen Volkswirtschaften Lateinamerikas weisen eine hohe Abhängigkeit von den globalen Rohstoffpreisen auf. Für sie haben besonders die Preise für Agrarrohstoffe eine zentrale Bedeutung.

Die globalen Konjunkturaussichten bessern sich derzeit also wieder, doch mit einer durchgreifenden Beschleunigung des Preisauftriebs ist deshalb noch nicht zu rechnen. Zwar sind in den Industrieländern – vor allem ölpreisbedingt – in diesem Jahr wieder merklich höhere Inflationsraten zu erwarten als 2015 und 2016. Diese erreichen jedoch in der Regel noch nicht die vielzitierten Warnmarken der Zentralbanken – im Durchschnitt liegt die durchschnittliche Teuerungsrate der Industrieländer 2017 nach unserer Erwartung bei 1,8 Prozent.

Am aktuellen Anstieg der Inflationsraten ist vor allem die Erholung des Ölpreises abzulesen. Während zu Beginn des Jahres 2016 der Ölpreis zeitweise unter der 30-Dollarmarke notierte, bewegt er sich Anfang 2017 wieder oberhalb von 50 US-Dollar. Diese Verteuerung schlug sich weltweit auf die Energie- und die allgemeinen Verbraucherpreise nieder, vor allem in den Industrieländern stiegen die Inflationsraten daher wieder an. Dieser Anstieg wird sich allerdings so nicht weiter fortsetzen, im weiteren Jahresverlauf 2017 ist vielfach wieder mit fallenden Teuerungsraten zu rechnen.

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