Die Wahlen in Frankreich und der Euro

Die Sorge um den Ausgang der Präsidentenwahl in Frankreich nimmt zu. So hat der Euro hat in den vergangenen Wochen erneut Federn lassen müssen. Die latente Schwäche der Gemeinschaftswährung ist nicht zuletzt der wachsenden Sorge gegenüber den politischen Entwicklungen in Frankreich geschuldet. Auch wenn ein Wahlsieg Le Pens weiterhin sehr unwahrscheinlich erscheint, der Markt ist nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres dünnhäutig geworden.
Rein rational betrachtet sollten Investoren nichts zu befürchten haben. Die Umfragewerte sind eindeutig:  Le Pens Chancen die Wahlen zu gewinnen sind gering. Zwar ist davon auszugehen, dass sie den ersten Wahlgang, der am 23. April stattfindet, erfolgreich bestreitet. Kritischer wird es aber in der zweiten Wahlrunde am 7. Mai. Wie Le Pen dann abschneidet, wird u.a. maßgeblich davon abhängen, wer ihr Gegenkandidat ist. Die schlechtesten Chancen hätte sie nach heutigem Stand gegenüber Macron oder Fillon, aber auch gegen Hamon stehen ihre Siegeschancen nur 40:60 . Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs Le Pens aus meiner Sicht gering.

Ein Wahlsieg von Marine Le Pen ist somit aus heutiger Sicht ein Randrisiko. Doch die Erfahrungen des vergangenen Jahres haben Investoren misstrauisch gemacht. Auch beim Brexit oder der US-Präsidentschaftswahl hatte man schließlich nicht mit dem Schlimmsten gerechnet und wurde hinterher überrascht. Doch auch hier gilt: rational betrachtet ist die Argumentation nicht wirklich stichhaltig. Schließlich waren die Umfragen im Vorlauf des britischen EU-Referendums und der US-Wahl deutlich knapper, als dies derzeit in Frankreich der Fall ist. Zudem war die Volatilität der Umfragewerte wesentlich höher.

Dass die Angst vor der französischen Wahl dennoch so groß ist, liegt nicht zuletzt daran, dass ein Sieg der Front National zwar ein Randrisiko ist, aber in seinen Konsequenzen potentiell explosiv wäre. Auch wenn Le Pen als Präsidentin wahrscheinlich gar nicht in der Lage wäre, den von ihr so gerne propagierten „Frexit“ in die Wege zu leiten (ein Austritt aus dem Euro wäre nur möglich, wenn Frankreich auch aus der EU austritt. Die Mitgliedschaft in der EU ist aber in der französischen Verfassung verankert und könnte nur vom Parlament geändert werden. Dieses wird jedoch nicht mehrheitlich von der Front National, sondern voraussichtlich von den Republikanern besetzt sein), würde ihre Wahl die politische Landschaft Europas deutlich prägen. Selbst ohne die Perspektive eines französischen Austritts aus der E(W)U wäre der Sieg einer rechtspopulistischen Partei in einem europäischen Kernland ein Schock.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass der Euro, wie die französischen Staatsanleihen unter den politischen Entwicklungen in Frankreich leiden. In der Annahme, dass die politischen Unsicherheiten in Frankreich auch in den kommenden Wochen und Monaten bestehen bleiben, ist es gut vorstellbar, dass sich die jüngsten Trends noch etwas fortsetzen, aber sowohl beim Euro, wie bei den Renditen der französischen Staatsanleihen ist bereits eine sichtbare Angstprämie eingepreist. Spätestens nach der Stichwahl am 7. Mai sollten sich die Kurse dann schnell wieder normalisieren.

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