Devisenmärkte von globalen Renationalisierungstendenzen unbeeindruckt – noch!

Ein US-Präsident, dessen Wahlkampf auf nationalistischen Slogans beruhte, der EU-Austritt Großbritanniens, hohe Beliebtheitswerte rechtspopulistischer Parteien und deren Vertreter in Frankreich, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und zum Teil auch in Deutschland – der Nationalismus hat derzeit weltweit Hochkonjunktur. An den Devisenmärkten hat das bislang noch keine großen, nachhaltigen Spuren hinterlassen. Vielmehr bewegt sich die Volatilität als Maß für die vorhandene Unsicherheit auf einem historisch unauffälligen Niveau. Auch Trends, die sich auf zunehmend nationalistische Tendenzen zurückführen ließen, sind nicht zu beobachten.

Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Entwicklung an den Devisenmärkten vorrangig von der Ausrichtung der Zentralbanken in den jeweiligen Währungsräumen dominiert wird. Die politische Gemengelage und die nationalistischen Tendenzen sind demnach vorrangig dann für die Wechselkursentwicklung von Bedeutung, wenn sie die Geldpolitik beeinflussen. Eine direkte Einflussnahme könnte beispielsweise über Stellenbesetzungen im Entscheidungsgremium der Notenbank oder eine Änderung des geldpolitischen Mandats erfolgen. Indirekt würden Maßnahmen wirken, die für die fundamentalen Rahmenbedingungen der Zentralbanken relevant sind.

Dass es hierfür nicht zwingend notwendig ist, eine rechts-konservative oder nationalistische Partei an der Regierung oder im Präsidentenamt eines Landes zu haben, hat das EU-Referendum in Großbritannien eindrucksvoll vor Augen geführt. Zwar bewegt sich das Pfund trotz der erheblichen Verluste im Nachgang zur Volksabstimmung auf handelsgewichteter Basis nur knapp unterhalb der Niveaus aus den Jahren 2009 bis 2013. Die Perspektive des Brexit hat jedoch greifbare Spuren hinterlassen. Dies gilt vor allem mit Blick auf die Eintrübung der langfristigen Wachstumsperspektiven und damit auch für das langfristige Zinsniveau. Darüber hinaus sah sich die Bank of England gezwungen, mit einer Leitzinssenkung und einer Wiederbelebung des Anleiheankaufprogramms auf die veränderte Situation zu reagieren.

Insbesondere mit Blick auf eine mögliche indirekte Beeinflussung von Zentralbanken und deren Ausrichtung stehen in den nächsten Monaten Ereignisse an, die tiefgreifende Veränderungen in der globalen Geldpolitik und damit auch an den Devisenmärkten nach sich ziehen können. So wird in den USA derzeit über eine Steuerreform diskutiert. Sollte hierbei ein steuerlicher Grenzausgleich eingeführt werden, der Vorteile für US-Exporteure mit sich bringt und zugleich Importeure belastet, könnte dies den Grundstein für einen weltweiten Handelskrieg legen. Zentralbanken kleinerer, offener Volkswirtschaft sollten in der Folge expansiver agieren und damit ihre Währungen unter Abgabedruck bringen. Die US-Volkswirtschaft und folglich auch die Ausrichtung der Federal Reserve sowie der US-Dollar würden hingegen zumindest im internationalen Vergleich kaum belastet. Das zweite große Risiko liegt in wieder aufflammenden Spekulationen über ein Auseinanderbrechen der EWU (u.a. Präsidentschaftswahlen in Frankreich, Brexit-Verhandlungen). Die Europäische Zentralbank würde wohl versuchen, „alles zu tun, um den Euro zu retten“ und mit expansiven Maßnahmen gegen diese Tendenzen vorgehen. Die Gemeinschaftswährung würde hierauf sicherlich mit Abschlägen reagieren.

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