Ein Gedankenspiel: Protektionismus „light“ als Wachstumsstütze für die USA

Der wesentliche Wachstumsträger in den Vereinigten Staaten ist seit jeher die Binnennachfrage. In den vergangenen Jahren hat sich das Bevölkerungswachstum allerdings sichtbar verlangsamt. Damit ist auch der zukünftig mögliche positive Impuls vom natürlichen Wachstum kleiner geworden. Um weiterhin kräftiges Wirtschaftswachstum zu generieren, wie es ja die Pläne des neuen Präsidenten vorsehen, wäre deshalb ein positiver Beitrag vom Außenhandel hilfreich. In den vergangenen 20 Jahren bremste der Außenhandel jedoch in der Regel das Wachstum der US-Wirtschaft. Und dies, obwohl die Exporte in Länder, mit denen ein Freihandelsabkommen besteht, in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen sind. Der deutlich stärkere Impuls durch das Inkrafttreten der Handelsabkommen wurde nämlich auf der Importseite sichtbar. Letztendlich ist durch diese Entwicklung in den 90er Jahren das große Defizit im US-Außenhandel manifestiert worden. In dieser Zeit ist die Importquote, die das Verhältnis der Importe zum Bruttoinlandsprodukt abbildet, sichtbar von 10 auf 14 Prozent angestiegen und lag auch in den letzten Jahren jeweils bei rund sechzen Prozent.

Nach unserer Prognose wird in diesem Jahr das Wirtschaftswachstum vom Außenhandel deutlich um 0,6‑Prozentpunkte gebremst und dürfte dadurch nur bei 2,2 Prozent liegen. Um dem entgegen zu wirken und auch um möglichst schnell ein kräftigeres Wirtschaftswachstum zu erreichen, könnten wir uns vorstellen, dass eine umfangreiche „buy national“-Kampagne ins Leben gerufen wird. Es könnte beispielsweise angestrebt werden, in den nächsten vier Jahren, also während der Amtszeit von Donald Trump, den negativen Außenbeitrag bis auf seinen langjährigen Durchschnitt zu reduzieren. Dann müssten die Importe jährlich um rund 60 Mrd. US-Dollar niedriger ausfallen als im Vorjahr und wären damit niedriger als wir in unserer Basisprognose annehmen. 2017 würden in diesem Falle die Importe nicht um 4,4 sondern nur um 2,1 Prozent steigen und 2018 kaum noch zulegen.

Zumindest die Wähler des derzeitigen Präsidenten dürften solch einer Kampagne recht schnell folgen, da die Aufforderung „buy national“ mit dem Slogan „America first“ gleichgesetzt werden kann. Da ja immerhin etwas mehr als ein Viertel der Importe auf Konsumgüter entfällt, wäre eine Reduktion der Einfuhren auf diese Art und Weise durchaus vorstellbar. Am ehesten würden sich die Konsumströme bei den Gütern verändern, bei denen eine preisneutrale Substitution durch inländische Produkte möglich ist. Selbst wenn dies ohne eine Steigerung bei den Ausrüstungsinvestitionen möglich wäre, ergäben sich bereits sichtbare wachstumssteigernde Effekte für das Bruttoinlandsprodukt.

Um die zusätzliche Nachfrage der Konsumenten zu befriedigen, käme es darüber hinaus aber wohl noch zu einem positiven Schub bei den Investitionen. Neue Fabriken können aber nicht über Nacht gebaut werden und auch die Erweiterung von bestehenden Anlagen erfordert Zeit. Die Planung und auch der Bau dauern mindestens mehrere Wochen, eher wohl mehrere Monate. Ein Investitionsschub wäre aber auf jeden Fall die Folge. Das Wirtschaftswachstum dürfte bei diesem Szenario im kommenden Jahr bei rund 3,5 Prozent liegen und wäre damit immerhin um einen Prozentpunkt größer als in unserem Basis-Szenario. Ein vergleichsweise kurzfristiges Anziehen der Investitionen im Bereich der Konsumgüterindustrie könnte beispielsweise durch Steuererleichterungen oder finanzielle Förderungen erreicht werden. Das Risiko bei unserem Gedankenspiel besteht allerdings darin, dass es kurzfristig bei bestimmten Konsumgütern zu deutlichen Preissteigerungen kommen kann, da die inländische Produktionsausweitung zeitlich hinter dem Umschwenken der Nachfrage hinterher hinkt.

Es steht außer Frage, dass durch eine protektionistische Abschottung nicht nur die US-Wirtschaft sondern auch zahlreiche andere Länder in Mitleidenschaft gezogen würden. Unser Gedankenspiel zeigt auf, dass in den USA die wachstumsdämpfenden Effekte der hohen Importtätigkeit schon durch eine leichte Reduzierung auf der Einfuhrseite sichtbar eingedämmt werden könnten. Oder anders formuliert: Es könnte ein höheres Wirtschaftswachstum erreicht werden. Letztendlich wäre unser hier gewähltes Szenario einer „Buy national“-Kampagne aber auch als Protektionismus „light“ zu bewerten. Würde die Kampagne bis zur nächsten Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 fortgeführt, könnte nicht nur das vom Präsidenten angestrebte Wachstum von rund vier Prozent erreicht werden, auch die Lücke im Außenhandel würde fast halbiert.

 

 

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