US-Markt hat große Bedeutung für einzelne deutsche Branchen

In den vergangenen Wochen ist viel darüber geschrieben worden, ob die Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten negative Auswirkungen auf den deutschen Außenhandel mit den USA haben könnte. Schließlich sind die Vereinigten Staaten das wichtigste Exportziel für die deutsche Wirtschaft und die Äußerungen von Donald Trump zum Welthandel und zu möglichen Strafzöllen für Importe in die USA könnten möglicherweise einen Anlass zur Sorge geben.

Deutsche Unternehmen lieferten im vergangenen Jahr Waren im Wert von fast 107 Mrd. Euro in die USA. Das sind 8,9 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren. Allerdings blieben die Exporte in die USA mit 6,4 Prozent deutlich hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Das war der erste Rückgang seit der Finanzmarktkrise. Weltweit konnten die deutschen Ausfuhren 2016 dagegen um 1,2 Prozent zulegen. Die gestiegene Nachfrage kam dabei vor allem aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (+2,2 Prozent). Der Rückgang der Exporte deutscher Waren in die USA im vergangenen Jahr kann jedoch nicht allein mit den Präsidentschaftswahlen begründet werden. So lagen die Ausfuhren im Wahlmonat November um 2,8 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Deutlich stärker dürfte sich der Auto-Abgasskandal in der Außenhandelsstatistik niedergeschlagen haben. Die Ausfuhren von in Deutschland hergestellten Kraftwagen und -teilen in die USA haben 2016 gegenüber dem Vorjahr um über 14 Prozent nachgegeben. Dennoch ist die Branche auch weiterhin für fast 28 Prozent der gesamten deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten verantwortlich und damit nach wie vor der wichtigste Wirtschaftszweig im Handel mit den USA. Allerdings lag der Anteil der Automobilindustrie an den gesamten deutschen Ausfuhren in die USA im Jahr 2015 noch merklich über dem Ergebnis des vergangenen Jahres.

Mit deutlichem Abstand zur Autobranche folgen auf den weiteren Plätzen der wichtigsten US-Exporteure der Maschinenbau und die Pharmaindustrie. Beide Branchen konnten ihren Anteil an den gesamten Ausfuhren in die USA gegenüber 2015 im Gegensatz zur Autoindustrie leicht ausbauen. Da die Umsätze der Pharmabranche insgesamt spürbar niedriger sind als im Maschinenbau oder in der Kfz-Industrie, ist sie tendenziell sogar stärker abhängig von der Nachfrage aus den Vereinigten Staaten. Zusammengenommen sind allein diese drei Wirtschaftszweige verantwortlich für mehr als die Hälfte der deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten. Nimmt man die „Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und elektrischen und optischen Erzeugnissen“, die Produzenten von sonstigen Fahrzeugen sowie die Chemieindustrie noch hinzu, sind es sogar mehr als drei Viertel aller deutschen Exporte in die USA.

Die klassischen exportorientierten Industrieunternehmen sind somit stark in den USA engagiert, selbst wenn man die Produktion vor Ort unberücksichtigt lässt. Güter für den US-Markt, die von deutschen Unternehmen bereits in den Vereinigten Staaten hergestellt werden, werden von der Außenhandelsstatistik nicht erfasst. Allerdings wären diese auch nicht von etwaigen Strafzöllen für Einfuhren in die USA betroffen. Problematisch könnten sich aber Werke in Mexiko erweisen, wenn Donald Trump die Freihandelszone NAFTA neu verhandeln sollte.
Die deutschen Branchen, die den Export in die USA bestimmen, sind auch die wichtigsten Importeure von US-Gütern. Der Anteil der Autobranche an den Einfuhren aus den USA ist 2016 leicht auf über 12 Prozent gestiegen. 2015 lag dieser noch bei 11,4 Prozent. Damit hat sich die deutsche Automobilindustrie zwischen die „Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und elektrischen und optischen Erzeugnissen“ und die Pharmabranche eingereiht. Allein diese drei Branchen importieren über 38 Prozent der US-Ausfuhren nach Deutschland.

Um im Handel mit den USA erfolgreich zu bleiben, müssen die deutschen Unternehmen weiter an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Letztendlich betrifft dies aber alle Unternehmen mit einer merklichen Bedeutung der Ausfuhren für den Unternehmensumsatz. Die erfolgreiche Erschließung alternativer Absatzregionen ist abhängig von der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Güter. Zudem entwickelt sich die Nachfrage der Schwellenländer weiterhin nur vergleichsweise wenig dynamisch und eine Rückkehr zu den überaus dynamischen Wachstumsraten von vor der Finanzmarktkrise ist auch langfristig nicht mehr zu erwarten.

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