Globale Konjunktur gewinnt an Fahrt

2016 erlebte die Weltwirtschaft mit einem Wachstum von nur 2,9 Prozent das schwächste Jahr seit der Krise 2009. Doch jetzt geht es endlich wieder aufwärts. In diesem Jahr dürfte die globale Wirtschaftsleistung mit einem Wachstum von 3,2 Prozent sogar deutlich kräftiger zulegen – trotz aller politischen Unsicherheiten.

Die Erholung, die sich derzeit in fast allen Weltregionen beobachten lässt, kommt für viele Beobachter überraschend. Denn im vergangenen Jahr sorgten die unerwarteten Ergebnisse bei der Brexit-Abstimmung in Großbritannien und den US-Präsidentschaftswahlen für erhebliche Verunsicherung. Und auch in diesem Jahr stehen vor allem in Europa weitere wichtige politische Entscheidungen an, denen durchaus mit Sorge entgegengesehen wird.

Ganz oben auf der Liste der Unwägbarkeiten stehen die Parlamentswahl in den Niederlanden und die Präsidentschaftswahl in Frankreich. In beiden Ländern erreichen europafeindliche Kräfte derzeit hohe Zustimmungswerte. Das Risiko, dass diese Kräfte die Regierung übernehmen, ist nicht von der Hand zu weisen. Auch in Italien könnte es 2017 zu Neuwahlen kommen und auch dort genießt eine europakritische Bewegung („5 Sterne“) hohe Popularität. Und schließlich wird im September auch in Deutschland gewählt. Hierzulande ist jedoch das Risiko eines Vormarschs der Anti-EU-Populisten am geringsten.

Alle diese Unsicherheiten haben jedoch bislang keinerlei Auswirkung auf die globale Konjunktur. Im Gegenteil: Seit etwa einem halben Jahr signalisieren die weltweiten Frühindikatoren einschließlich wichtiger Rohstoffpreise, dass sich eine Erholung abzeichnet. So haben sich die Preise für Nicht-Eisen-Metalle und Öl erheblich gefestigt. Gerade die Preise für Metalle stehen traditionell in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der weltweiten Industrieproduktion.

Die wichtigsten Beiträge zur globalen Konjunkturerholung kommen in diesem Jahr aus Nord- und Südamerika. Allein die erwartete Wachstumsbeschleunigung in den USA trägt knapp ein Drittel zur globalen Konjunkturverbesserung bei. Auch der Wachstumsbeitrag Lateinamerikas, das im vergangenen Jahr noch in einer tiefen Rezession steckte, dürfte 2017 größer sein. Für Brasilien erwarten wir ein Ende des wirtschaftlichen Schrumpfungsprozesses und für Argentinien eine Rückkehr zu positiven Wachstumsraten.

Europa und China gehören dagegen nicht zu den Weltregionen, in denen in diesem Jahr mit einer Wachstumsbeschleunigung zu rechnen ist. Die Wachstumsverlangsamung im Reich der Mitte bleibt wohl auch in diesem und im nächsten Jahr ein Bremsschuh der globalen Konjunktur. Aus der Gruppe der Schwellenländer dürfte sich jedoch die Stabilisierung der russischen Wirtschaft sehr positiv bemerkbar machen.

Eine expansivere Ausrichtung der Fiskalpolitik spielt in vielen Ländern derzeit eine wichtige Rolle für die Aufhellung des konjunkturellen Ausblicks. So sind in den Vereinigten Staaten die zu erwartenden Fiskalimpulse ein wichtiges Argument für die optimistischeren Konjunkturprognosen. In Europa verhindert eine etwas expansivere Ausrichtung der Finanzpolitik in den meisten Ländern lediglich, dass sich das Wachstum in diesem Jahr noch stärker abschwächt. Und auch in China würden die Wachstumsraten wohl noch deutlich stärker zurückgehen, wenn die Regierung nicht bereits seit Monaten auf einen expansiveren Ausgabenkurs umgeschaltet hätte.

Die Erholung der Rohstoffpreise spielt für viele Schwellenländer eine wichtige stabilisierende Rolle. Russland profitiert von dem gestiegenen Ölpreis ebenso wie viele andere ölexportierende Länder. Auch die großen Volkswirtschaften Lateinamerikas weisen eine hohe Abhängigkeit von den globalen Rohstoffpreisen auf. Für sie haben die wieder gestiegenen Preise für Agrarrohstoffe eine sehr wichtige Bedeutung.

Die globalen Konjunkturaussichten bessern sich derzeit also. Doch mit einer parallelen Beschleunigung des Preisauftriebs ist jedoch nicht zu rechnen. Lediglich ölpreisbedingt sind in den Industrieländern in diesem Jahr wieder merklich höhere Inflationsraten zu erwarten als 2015 und 2016. Diese erreichen jedoch in der Regel noch nicht die vielzitierten Warnmarken der Zentralbanken. Im Durchschnitt wird die Teuerungsrate der Industrieländer 2017 bei 1,8 Prozent liegen.

Weitere Inflationstreiber sind derzeit kaum auszumachen. Auch von der Lohnseite kommt in den wichtigen Ländern derzeit kein Druck auf die Preise. Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten sind vielerorts zwar mittlerweile recht gut ausgelastet, doch in kaum einem Land ist eine Überauslastung zu erkennen, die zu einer Lohn-Preis-Spirale führen könnte. Selbst in den USA liegt die Produktionslücke derzeit nur ganz leicht im Plus Mit einem deutlich anziehenden, knappheitsbedingtem Lohndruck ist also auch dort in diesem Jahr nicht zu rechnen.

In den Schwellenländern bewegt sich die durchschnittliche Inflationsrate zwar mit rund 5 Prozent deutlich über dem Wert in den Industrieländern. Doch ist hier bereits seit einigen Jahren eher ein Abwärtstrend als ein Anstieg bei den Teuerungsraten zu beobachten.

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