Target2-Salden bergen hohe Fiskalrisiken

Seit Monaten bereits ist ein erneuter spürbarer Anstieg der Target2-Salden in der Eurozone zu beobachten. Während die Ursache für die Entwicklung vor allem im PSPP und weniger wie im Jahr 2012 in einer akuten Kapitalflucht zu sehen ist, richtet sich die öffentliche Diskussion vor allem auf die Risiken für Gläubiger und Schuldner.

Die finanziellen Risiken, die – hypothetisch gesprochen – bei einem EWU-Austritt eines Landes mit hohen Target2-Verbindlichkeiten, beispielsweise Italien, entstünden, wären ganz erheblich. Sollte das aus der EWU austretende Land die Schulden nicht begleichen, würde der finanzielle Puffer der EZB, als Gläubigerin der Forderung, kaum ausreichen, um den Verlust aufzufangen. Zwar kann die EZB auch mit negativem Eigenkapital operieren, würden die nationalen Notenbanken als Anteilseigner dennoch einspringen, reichten aber nicht die Risikopuffer aller Banken aus, den Verlust aufzufangen. Während Bundesbank und Banque de France über einen ausreichend großen Risikopuffer verfügen, könnte die Banco de Espana beispielsweise in Bedrängnis geraten. Am Ende läge es an der Regierung in Madrid, zu entscheiden, ob sie die Bank mit einem zweistelligen Milliardenbetrag stützen wollte.

Würde die gesamte EWU wider Erwarten auseinanderbrechen, müssten die nationalen Notenbanken ihre Target2-Forderungen womöglich ganz abschreiben. In dem Fall könnte dies immense fiskalische Auswirkungen vor allem auf Deutschland, die Niederlande und Finnland haben. Im Falle Luxemburgs dürfte dies den Staat fiskalisch wohl gänzlich überfordern. Auch aus Sicht der Target2-Schuldner birgt die derzeitige Lage Risiken. Sollten die Staaten grundsätzlich anstreben, im Fall eines Ausscheidens aus der Eurozone ihre Verbindlichkeiten zu begleichen, würde dies die größten Schuldner, Italien, Portugal und Griechenland in arge fiskalische Bedrängnis bringen. Die Länder wären wahrscheinlich kaum in der Lage, die Verluste ihrer jeweiligen Notenbanken voll aufzufangen, da ihre Schuldenstandsquoten ansonsten um bis zu 40% ansteigen würden. Würde sich ein Land aus politisch motivierten Gründen der Renationalisierung dazu entscheiden, seine Target2-Schulden nicht zu begleichen, ginge dies voraussichtlich mit einem langen und belastenden Rechtsstreit und deutlich steigenden Risikoprämien einher, sodass die langfristige Schuldentragfähigkeit des Landes deutlich sinken würde. In einem ungünstigen Fall drohte bei Begleichung genauso wie bei Ausfall der Target2-Schulden aufgrund der stark steigende Verschuldung sogar der Staatsbankrott. Darüber hinaus wären kleinere EWU-Staaten fiskalisch wohl nicht in der Lage für die Verbindlichkeiten ihrer Notenbanken bei einem Ausfall von Target2-Schulden eines großen EWU-Landes einzustehen.

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Ein Kommentar

Unter Einbeziehung der Target2 Schulden der nationalen Notenbanken und der real vorhandenen Risiken im Bestand der Staatsanleihen von schwachen Staaten wäre bei korrekter Bewertung und dem daraus resultierenden Abschreibungsbedarf das „weiter so“ bereits jetzt Konkursverschleppung.

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