Euro-Austritt Griechenlands darf kein Tabu mehr sein

Seit dem Ausbruch der großen Finanzmarktkrise befindet sich die griechische Volkswirtschaft im Dauerstress. Von einer wirtschaftlichen Erholung ist Griechenland allerdings noch weit entfernt: Kumuliert hat das Land seit Beginn der Krise rund 26 Prozent seiner Wirtschaftskraft eingebüßt.

Bereits seit 2010 ist Griechenland von der Hilfe der europäischen Partner und des Internationalen Währungsfonds abhängig – ein Ende ist nicht in Sicht. Die Finanzhilfen wurden jedoch nur unter Auflagen gewährt. Zum einen sollte Griechenland seinen Staatshauhalt sanieren und seine Finanzen auf eine nachhaltigere Basis stellen. Zum anderen sollten Strukturreformen helfen, die griechische Volkswirtschaft auf einen Wachstumspfad zurückzuführen. Beides ist bislang noch nicht gelungen. Bezüglich der Haushaltsentwicklung gibt es inzwischen Fortschritte, beim Thema Strukturreformen sind noch viele Baustellen offen.

Ein höherer Primärüberschuss – Haushaltssaldo ohne Zinszahlungen – kann helfen, die relativen Schuldenkennziffern zu verbessern. Bislang wurde von Griechenland gefordert, einen Primärüberschuss von 3,5% des BIP zu erzielen. Ein solch hoher Überschuss würde mittelfristig tatsächlich zu einer Gesundung der griechischen Staatsfinanzen beitragen. Jedoch ist es unrealistisch, dies von Griechenland zu verlangen. Entsprechend hat der IWF zuletzt nur noch einen Überschuss von 1,5% gefordert. Dies könnte Griechenland zwar erzielen, jedoch reicht ein Primärüberschuss von 1,5% nicht aus, um die hohen Budgetdefizite nachhaltig zu reduzieren. Daher überrascht es nicht, dass der IWF gleichzeitig von den Gläubigern eine weitere Schuldenreduzierung fordert.

 Was Griechenland wirklich braucht, ist ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Dies würde die hohe Arbeitslosigkeit reduzieren und zu einer fiskalischen Gesundung beitragen. Einen stabilen Wachstumspfad wird Griechenland im Euroraum aber nicht entwickeln können. Die Konkurrenzfähigkeit der griechischen Wirtschaft ist hierfür zu schwach. Folglich kann das derzeitige System von expliziten und impliziten Hilfen für Griechenland nicht schnell beendet werden. Fazit: Das Denkverbot über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum sollte man aufgeben, denn hier könnten vernünftige Alternativen für Griechenland liegen.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.25

Ähnliche Beiträge

3 Kommentare

sagen sie das Frau merkel

Hans Jäckel

Ich bin ausnahmsweise mal völlig anderer Meinung: Ein Grexit wäre in der jetzigen Lage der EU ein fatales Signal. Wir müssen daran festhalten, dass eine Mitgliedschaft in der EU (und damit auch im Euro) Teil der Lösung ist, nicht Teil des Problems. Die EU ist nicht die Bundesliga, wo die Schwächsten absteigen müssen. Sondern sie ist eher wie der DFB, der sich auch z.B. um Jugendarbeit und Behindertensport zu kümmern hat.

Christoph Gössel

Es kann nicht sein, dass unter dem Deckmantel der europäischen Integration bestimmte Staaten über Jahre hinweg am Tropf der EU hängen, ohne dass eine Besserung in Sicht ist und ohne dass überhaupt darauf hingearbeitet wird, dass das Problem gelöst wird: Denn solange Griechenland in den Fesseln des Euro gefangen ist, kann keine Wettbewerbsfähigkeit entstehen und dann kann auch die Wirtschaft nicht wachsen.
Das ideologische Denken à la „Wir sind nur gemeinsam stark, wir müssen zusammenhalten usw.“ ist hier nicht zielführend, sondern verhindert vielmehr den klaren Blick auf die Tatsachen: Für Griechenland ist der Euro viel zu stark.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *