Deutsche Landwirte profitieren von Fleischskandal in Brasilien

In Brasilien ist bei einer landesweiten Razzia der Bundespolizei Ende letzter Woche ein Skandal in der Fleischindustrie aufgeflogen. Betroffen sind unter anderem die beiden größten Fleischexporteure JBS (Rindfleisch) und BRF (Geflügel) Brasiliens. Zudem wurden Lebensmittelkontrolleure bestochen, sodass nicht auszuschließen ist, dass kontaminiertes Fleisch über die Exportkanäle abgesetzt wurde.

Angesichts des Skandals erwarten wir im weiteren Jahresverlauf, dass rückläufige brasilianische Fleischexporte eine Lücke in das weltweite Fleischangebot reißen. Die anziehenden europäischen und US-amerikanischen Exporte könnten diese Lücke, zumindest was Rindfleisch und Geflügel betrifft, zum Teil schließen. Von dieser Tendenz würden sowohl die europäischen als auch die US-amerikanischen Fleischexporteure profitieren – und nicht zuletzt die deutschen Landwirte. Denn fallen Teile des brasilianischen Angebots auf dem Weltmarkt aus, kann Europa voraussichtlich seine Marktanteile bei Geflügel (12%) und Rindfleisch (3%) im Laufe des Jahres leicht erhöhen. Deutschland stellt bei Rindfleisch einen mit 22% deutlich höheren Anteil der gesamten EU-Ausfuhren als bei Geflügel (3%). Somit ist abzusehen, dass die deutschen Ausfuhren bei Rindfleisch auf dem Drittmarkt zunehmend an Dynamik gewinnen.

Brasilien ist auf zusammengefasster Basis bezogen auf die Aggregate Schweine-, Rindfleisch und Geflügel der zweitgrößte Fleischexporteur der Welt. Klammert man Schweinefleisch aus, ist das Land sogar der größte globale Fleischlieferant. Als wichtige Handelspartner auf der Importseite fallen insbesondere die Asiaten ins Gewicht. Rund ein Drittel der brasilianischen Ausfuhren an Rindfleisch wurden nach China und Hong Kong verschifft. Etwa 17% des ausgeführten Geflügels hatten China als Destination.

Nach dem jüngsten Korruptionsfall beim nationalen Ölgiganten Petrobras (auch hier wurden Schmiergelder gezahlt) ist der aktuelle Fall besonders brisant, da die Fleischindustrie noch vor dem Energiesektor und den Investitionsgütern die drittwichtigste Exportbranche Brasiliens ist und in der Rückschau eher zu den Hoffnungsträgern der Volkswirtschaft zählte. Der Skandal schlägt global hohe Wellen und der Reputationsschaden wird sich nicht zügig beheben lassen. Im Gegenteil: Der Vertrauensverlust insbesondere unter den asiatischen Abnehmern könnte sogar noch zunehmen.

Die EU bezieht auf den Drittmärkten den größten Teil des Rind- und Geflügelfleisches mit einem Anteil von 42% respektive 57% aus Brasilien. Da die Europäer nur ganze Fleischteile importieren und keine Fleischmischungen, ist es zwar unwahrscheinlich, dass kontaminiertes Fleisch nach Europa gelangt. Jedoch ist wegen des erheblichen Reputationsschadens unseres Erachtens wahrscheinlich, dass das europäische Importangebot aus Brasilien schrumpfen wird. Dies könnte sich als Stütze für die europäischen und damit für die deutschen Fleischpreise erweisen.

 

 

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