Rekordjagd am Aktienmarkt: Feiert der Aufschwung noch 9. Geburtstag?

Die jüngsten Aktionen der US-Administration verliefen glücklos. Vor Sommer erwarten wir keine relevanten Pläne zur Steuerreform und zu Infrastrukturmaßnahmen, sodass mehr Ruhe um Präsident Trump und die Hoffnung auf Börsengeschenke einkehren dürfte. Allerdings handelt eine typische US-Aktie heute so teuer wie selten zuvor. Ein Gewinnanstieg auf Unternehmensseite scheint daher dringend notwendig, da ansonsten die Gefahr eines kräftigen Rücksetzers besteht.

Von einer Blasenbildung am Aktienmarkt kann hierzulande keine Rede sein. Die Bewertung der Aktienmärkte hat weltweit ein hohes Niveau erreicht, gemessen an der Relation des Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und des Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zum historischen Mittelwert über die vergangenen zehn Jahre hinweg. Doch die absoluten Zahlen liegen relativ niedrig, insbesondere in Europa. In Deutschland beläuft sich das KGV des DAX für 2017e auf 13,5, für 2018e auf 12,4. Bis zum Bewertungsniveau zur Hochzeit der Internetblase im Jahr 2000 ist noch reichlich Platz – damals stieg die KGV-Bewertung des deutschen Leitindex auf über 35 an.

Ein Aktienmarktaufschwung wurde in der Vergangenheit immer durch eine der drei folgenden Ursachen beendet: Platzen einer Aktienmarktblase (etwa alle 40 Jahre, z. B. Automobil-Blase Ende der 1920er, „Tronics“-Blase Anfang der 60er, dotcom-Blase 2000), Ölpreisschock (1973/74 und 1979) oder volkswirtschaftliche Rezession in Verbindung mit stark ansteigenden Leitzinsen (u. a. 2000/01 und 2007). Größter Risikofaktor für das Ende des laufenden Aktienzyklus wären unter diesen Ursachen langfristig stark ansteigende Leitzinsen. Allerdings beginnen Aktienmärkte die Korrektur erst mit der letzten Leitzinserhöhung im Zyklus und in den USA hat die Fed gerade den neuen Leitzinsanhebungszyklus gestartet. Den Höhepunkt bei den US-Leitzinsen sehen wir erst 2019 (und auch nur bei 2,5%), in Europa sogar erst 2021 (bei 1,5%). Gleichzeitig schätzen wir die Aussichten auf weltwirtschaftliche Zuwächse 2017/18 positiv ein. Die Chancen sind recht gut, dass der Aufschwung am Aktienmarkt noch seinen 9. Geburtstag erleben wird.

Es ist allerdings wenig wahrscheinlich, dass sich die gute Kursentwicklung der vergangenen Monate kurzfristig fortsetzen wird. Bis zum nächsten Wahltermin innerhalb Europas (Frankreich im April) stehen die Chancen für eine Konsolidierung der Aktienmärkte gut. Nach dem Ende der Berichtssaison beginnt eine nachrichtenarme Zeit . Zudem verliert die Trump-Rallye in den USA nach den jüngsten Rückschlägen merklich an Dynamik. Eine Konsolidierungsphase wäre sehr zu begrüßen, da die Gewinnschätzungen jüngst mit dem Tempo des Kursanstiegs nicht mehr Schritt halten konnten.

Unser Fazit: Investitionen in den DAX, den Emerging Markets und Dividendenstrategien bieten sich während beziehungsweise nach der Konsolidierung für Neuanlagen an.

 

28.03.2017

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Ein Kommentar

An sich schöne Zusammenfassung.
Nur eine Kausalität in Verbindung mit einer Periodizität „etwa alle 40 Jahre“ sollte man m.E. nicht andeuten oder begründen (wenn keine Kausalität gemeint ist, ist die Periode ebenfalls irrelevant, weil zufällig, rein vergangenheitsbezogen und von geringer statistischer Relevanz).
Spannend wäre als Konsequenz der differenzierten Analyse zwischen USA und D noch zu beleuchten, ob eine Abkoppelung des DAX vom DOW bei einer Korrektur denkbar bzw. wahrscheinlich ist oder ob Einbrüche in USA (ggf. eruptives Ende der Trump-Rally, u.a.) oder Europa (ggf. ungünstige Entwicklung der EU, u.a.) sich entweder gar nicht oder gegenseitig oder ggf. nur unilateral triggern, wenn die Aktienbewertungen nicht gleichermassen den Gewinnentwicklungen davongelaufen sind.

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