USA: Konsumklima auf Rekordhoch, doch Wirtschaftspolitik bleibt unklar

Obwohl sich der neue US-Präsident seit zwei Monaten im Amt befindet, herrscht bisher keineswegs Klarheit über die Wirtschaftspolitik, die in den kommenden Jahren womöglich die US-Konjunktur und damit auch die Weltwirtschaft stark beeinflussen wird. Der Versuch, Obamacare „auf die Schnelle“ zu reformieren, hat wenig überraschend die fehlende Einigkeit zwischen dem Präsidenten und der republikanischen Partei verdeutlicht. Zum anderen hat sich einmal mehr gezeigt, wie tief die Gräben sind, die innerhalb der eigenen Partei verlaufen. Wir stehen weiterhin zu unserer Einschätzung, dass es wohl zu konjunkturstimulierenden Maßnahmen durch die Trump-Administration kommen wird, allerdings dürften diese weit hinter den Wahlversprechen zurückbleiben. Es wird viel davon abhängen, inwiefern sich die republikanische Partei tatsächlich hinter die Pläne „ihres“ Präsidenten stellt.

Auch weil ein weiteres Aufblähen der Staatsverschuldung der grundsätzlichen Haltung der republikanischen Abgeordneten entgegensteht, dürfte das Volumen von Ausgabenprogrammen oder Steuererleichterungen eher begrenzt bleiben. In Kraft treten können mögliche fiskalische Maßnahmen ohnehin frühestens mit Beginn des neuen Fiskaljahres und damit zum 1. Oktober dieses Jahres. Sollte sich in den nächsten Wochen auch bei anderen Themen wie beispielsweise der versprochenen Reform der Unternehmensbesteuerung zeigen, dass eine politische Konsensfindung kaum möglich ist, könnte sich das Wirtschaftsklima sichtbar eintrüben. Die hieraus entstehenden Belastungen für die Konjunktur sind nur sehr schwer abzuschätzen.

In den letzten Monaten hatte sich gerade beim verarbeitenden Gewerbe und auch bei den Konsumenten eine sehr große Zuversicht eingestellt, dies zeigen die Umfragewerte. Allerdings dürften diese Aufhellungen nicht nur auf den Wahlversprechen von Donald Trump basieren, sondern hier spielen wohl auch die anhaltend gute Arbeitsmarktlage und die gestiegene Zahl an Neuaufträgen im industriellen Sektor eine Rolle. Das Konsumklima des Conference Board Instituts erreichte im März den höchsten Wert seit Dezember 2000 und damit ein herausragendes Rekordhoch!

Auch wenn sich dennoch zuletzt eher eine verhaltene Entwicklung bei den Konsumausgaben zeigte, so erwarten wir wegen der kräftigen Beschäftigungsdynamik in den letzten Monaten und der robusten Entwicklung im vorherigen Zeitraum wieder ein Anziehen der Konsumlust. Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Beschäftigten um fast eine halbe Million gestiegen. Diese sehr positive Entwicklung ist vor allen Dingen deshalb möglich gewesen, weil zusätzlich zum üblichen Jobmotor „Dienstleistungssektor“ auch der güterproduzierende Bereich die Zahl seiner Beschäftigten erhöht hat. Offensichtlich hat es hier eine Trendwende gegeben, die gleichermaßen vom verarbeitenden Gewerbe und dem Bausektor getragen wird. Dieser leichte zusätzliche Schub reicht immerhin aus, um den anhaltenden Zustrom auf den Arbeitsmarkt aus der stillen Reserve aufzunehmen und die Arbeitslosenquote weiter zu senken.

Teilweise könnte der Beschäftigungsaufbau im güterproduzierenden Bereich durch die Erwartung von finanziellen Erleichterungen oder Infrastrukturmaßnahmen gestützt werden. Der wesentliche Schub dürfte aber von der verbesserten Auftragslage und der unverändert hohen Zahl an Baugenehmigungen, die in den letzten Monaten zu dem nochmals zugelegt hatte, ausgehen. So ist bei den Neubestellungen im verarbeitenden Gewerbe seit Mitte des vergangenen Jahres eine stetige Aufwärtsbewegung zu beobachten, nachdem die Auftragszahlen zuvor rund anderthalb Jahre rückläufig waren. Positive Impulse liefert auch der annähernd stabile Ölpreis, der sich mit einem Wert von rund 50 US-Dollar pro Barrel für die US-Frackingindustrie durchaus auf einem auskömmlichen Niveau befindet. Hiervon profitieren angrenzende Branchen, nicht zuletzt auch der Gewerbebau. Weitere positive Effekte dürfte der inzwischen durch den Präsidenten und die entsprechenden Ministerien frei gegebene milliardenschwere Ausbau der Ölpipeline „Keystone XL“ haben, der jahrelang auf Eis gelegen hatte.

Trotz aller genannten positiven Faktoren für die Konjunktur ist nach den bisher vorliegenden Daten die US-Wirtschaft zum Jahresauftakt wieder einmal nur verhalten gewachsen. Bereits die März-Daten dürften jedoch eine konjunkturelle Beschleunigung zeigen, so dass in den kommenden Quartalen das Wirtschaftswachstum leicht oberhalb von zwei Prozent liegen dürfte. Im Schlussquartal sollten leichte wachstumssteigernde Effekte von erhöhten Staatsausgaben und/oder Steuersenkungen ausgehen, so dass dann die wirtschaftliche Dynamik etwas anziehen dürfte. Im Jahresdurchschnitt rechnen wir unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent. Der negative Effekt vom Außenhandel dürfte wegen einer kräftigen Importtätigkeit größer ausfallen als im Vorjahr und könnte damit in den USA die Diskussion über protektionistische Maßnahmen wieder befeuern.

 

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