Trügerische Ruhe um Türkische Lira: Verfassungsreform sorgt für neue Unsicherheit

Die politische Lage in der Türkei entscheidet darüber, wie sich die Türkische Lira in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird. Am 16. April stimmen die Türken über eine Reform der Verfassung ab. Diese soll die Macht in den Händen des Staatspräsidenten konzentrieren und die Befugnisse des Parlaments erheblich einschränken. Zwar hat die Regierungspartei AKP um den amtierenden Präsidenten Erdogan die Medien auf ihrer Seite. Geht es nach den aktuellen Umfragen, ist ein Ja der Bevölkerung jedoch keineswegs sicher. Vielmehr scheint das Volk tief gespalten. Dies dürfte auch daran liegen, dass Erdogan und seine Getreuen die Abstimmung zu einer Schicksalswahl über die Zukunft der Türkei gemacht haben. Medienberichten zufolge gehen Polizei und Justiz gegen Bürger vor, die sich für ein Nein bei der Volksabstimmung einsetzen. Präsident Erdogan versucht zudem, die Europäische Union als Feindbild des Landes darzustellen. Selbst vor Vergleichen mit dem Regime der Nationalsozialisten schreckt Erdogan nicht zurück, um die eigene Bevölkerung hinter sich zu einen.

 So ernüchternd und wenig wünschenswert eine Annahme der Verfassungsreform aus demokratischer und rechtsstaatlicher Perspektive sein mag, aus Sicht der Lira dürfte dies nicht die schlechteste Alternative sein. Das gilt insbesondere, da Präsident Erdogan aufgrund des geltenden Ausnahmezustands derzeit ohnehin weitreichende Befugnisse genießt – ein Zustand, an den sich die Finanzmarktteilnehmer folglich bereits gewöhnen konnten. Ein Nein bei der Volksabstimmung könnte hingegen neue Unsicherheit bedeuten.

Die Türkische Lira zeigte sich in den vergangenen Wochen von ihrer stabileren Seite. Derzeit bewegt sie sich deutlich über den noch im Januar verzeichneten, historischen Tiefständen. Vor allem die nachlassende Aussicht auf eine rasche Normalisierung der US-Geldpolitik und Maßnahmen der türkischen Notenbank (TCMB) haben hierzu beigetragen. Gründe für eine insgesamt restriktivere Ausrichtung hat die TCMB im Moment mehr als genug, erreichte die Inflationsrate mit über 11% (J/J) zuletzt den höchsten Stand seit 2008 – Tendenz steigend. Für eine gewisse Erleichterung dürfte unterdessen die Entwicklung des Wirtschaftswachstums zum Ende des vergangenen Jahres gesorgt haben: Nach dem Einbruch im dritten Quartal hat es sich wieder spürbar erholt.

 

 

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