Japan: Wirtschaftsklima bleibt verhalten – expansive Geldpolitik verpufft

In Japan bleibt das Wirtschaftsklima verhalten. Der wichtige Tankan-Index hat sich am Ende des ersten Quartals zwar leicht verbessert. Doch lag das Ergebnis etwas unter den Erwartungen des Marktes. Bei den großen und exportstarken Industrieunternehmen stieg der Indexwert von zuvor 10 nur auf 12 Punkte – trotz vorheriger Yen-Abwertungen und guter Exportzahlen im ersten Quartall. Eine Rolle mögen hierbei die politisch bedingt unsicheren künftigen Absatzperspektiven auf wichtigen japanischen Exportmärkten wie den USA und China gespielt haben. Der Tankan-Index wird von der Bank of Japan berechnet und fasst die Stimmungswerte von über 10.000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft zusammen.

Bezogen auf alle befragten Unternehmen, also aller Sektoren und aller Größenklassen, stieg der Index von 7 auf nun 10 Punkte. Dies ist, gemessen an der möglichen Spannbreite dieses Diffusionsindexes, die von -100 bis +100 reicht, gerade einmal etwas über der „neutralen“ Linie von Null. Hier kommt zum Tragen, dass vor allem die kleineren und auf den Binnenmarkt hin orientierten Unternehmen hohen Wettbewerbsdruck spüren und kaum Möglichkeiten zur Überwälzung etwa der steigenden Energiepreise sehen. Da diese Firmen zahlenmäßig die Mehrheit im Befragungspanel stellen, wird der Gesamtindex entsprechend von ihnen gedämpft. Am besten war die Stimmung demgegenüber bei den großen Unternehmen der japanischen Dienstleistungswirtschaft. Hier stieg der Index von zuvor 18 auf nun 20 Punkte.

Der jüngste Tankan-Bericht bestätigt die schon seit längerer Zeit bestehende Tendenz in Japan, dass die größeren Unternehmen in der Regel optimistischer sind als die kleinen, und dass die größeren Dienstleistungsunternehmen, die nicht unmittelbar in Konkurrenz zu ausländischen Firmen stehen, die besten Stimmungswerte vorweisen.

Für die Notenbank sind die jüngsten Ergebnisse trotz der leichten Verbesserung gegenüber dem Vorquartal immer noch kein Signal dafür, dass ihre extrem expansive Geldpolitik nun endlich auf breiter Basis Erfolge zeigt. Zu unterschiedlich ist die Stimmungslage in den einzelnen Sektoren, und zuviel Skepsis im Hinblick auf eine Verbesserung der konjunkturellen Bedingungen besteht nach wie vor. Dies ist kein gutes Umfeld dafür, dass sich in Japan die private Investitionstätigkeit bald durchgreifend erholen und stabil nach oben zeigen kann. Ein Indiz für die verbreiteten Zweifel an der weiteren Konjunkturentwicklung in diesem Jahr ist die Tatsache, dass sich zuletzt in der Gesamtheit aller Unternehmen die Geschäftserwartungen auf Dreimonatssicht nicht verbesset haben, sondern konstant geblieben sind – auf dem sehr niedrigen Indexniveau von lediglich +2. Eine vergleichsweise hohe Zahl von Firmen rechnet also, gemessen an der Bewertung der aktuellen Lage, durchaus mit kurzfristig möglichen und dabei unter Umständen signifikanten Rückschlägen in ihrer Geschäftstätigkeit. Vor diesem Hintergrund gibt es auch für uns derzeit keinen Anlass, unsere Konjunkturprognose für Japan nach oben zu nehmen. Wir bleiben bei unserer eher vorsichtigen Wachstumsprognose von knapp unter 1 Prozent für dieses Jahr.

 

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