Faule Kredite: Italien verschärft die angespannte Lage in Europa

Wie aus neuesten Zahlen der European Banking Authority (EBA) hervorgeht, ist der Anteil fauler Kredite an den Gesamtforderungen der Banken in der Europäischen Union im vierten Quartal 2016 um 0,3 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent gesunken. Zwar ist in fast allen Ländern ein Rückgang zu beobachten. Allerdings verbessert sich die Gesamtsituation nur sehr langsam und es bestehen noch immer extreme Unterschiede zwischen den Ländern. So bereiten Non Performing Loans (NPL) in Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland, Dänemark und Belgien wenig Probleme. In diesen Ländern fällt die NPL-Quote mit knapp zwei bis gut drei Prozent sehr niedrig aus. Dagegen drohen die Banken in Griechenland und Zypern unter der Last fauler Kredite von 46 bzw. 45 Prozent der Forderungen zu ersticken. Leidgeprüfte Bankensektoren finden sich auch in Portugal, Irland und insbesondere in Italien als wirtschaftlichem Schwergewicht.

 Italien zeigte lange Zeit kaum Fortschritte. Erst im Schlussquartal 2016 verbesserte sich die NPL-Quote um 0,9 Prozentpunkte auf 15,3 Prozent. Trotzdem ist die Lage in Italien nach wie vor äußerst angespannt. Die Gründe für den hohen Anteil fauler Kredite sind vielschichtig. Sicherlich spielen die schlechte konjunkturelle Entwicklung und verschiedene Krisen in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle. Dadurch sind Kreditausfälle in die Höhe geschossen. Aber bereits vor der Krise in der Branche hatten italienische Banken – aufgrund einer lockeren Kreditvergabepolitik – oft schlechtere Kreditqualitäten als Institute nördlich der Alpen. Die aktuelle Verbesserung der NPL-Quote ist den angelaufenen Sanierungsbemühungen zu verdanken. Hinzu kommt die konjunkturelle Erholung, die bereits 2014 allmählich einsetzte und sich im vorletzten und letzten Jahr langsam beschleunigte.

Neu gegründete „Bankenrettungsfonds“ sollen weitere Entlastung bringen. Allerdings verläuft die bilanzielle Sanierung des italienischen Bankensektors deutlich zäher als erhofft. So lassen sich nur schwer Akteure finden, die sich an der finanziellen Ausstattung der Rettungsfonds beteiligen. Das zähe Ringen um die dringend notwendige Gesundung italienischer Kreditinstitute hat jedoch auch Vorteile: Sie verdeutlicht den betroffenen Banken die bedrohliche Lage und zwingt zur Risikobegrenzung. Je schwerer es den Banken fällt, sich von faulen Krediten zu befreien, desto verantwortungsvoller werden sie nach einer erfolgreichen Sanierung bei der Neukreditvergabe vorgehen und desto stärker rückt die Kreditqualität in den Fokus der Aufsicht.

 Obwohl Italien und der Euroraum im laufenden und im nächsten Jahr auf konjunkturellem Wachstumskurs bleiben dürften, wird die Bereinigung fauler Kredite noch längere Zeit dauern. Dabei kommt es nicht nur auf die bilanzielle Sanierung der Banken an, sondern künftig vor allem auch auf die konsequente Einhaltung einer nachhaltigen Kreditvergabepolitik.

 

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