Frankreich zittert Wahl entgegen

Die letzte TV-Debatte vor der französischen Präsidentschaftswahl gestern Abend wurde von einem vermutlich terroristischen Angriff auf französische Polizisten überschattet. Da die vier aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten in Umfragen relativ nahe beieinander liegen, sind die jüngsten Ereignisse in dem ohnehin von vielen überraschenden Wendungen bestimmten Wahlkampf von gewisser Brisanz. Kurzerhand rückt nun das Thema Sicherheit und Terrorismus in den Fokus der Kampagne, die heute ein verfrühtes Ende finden könnte. Le Pen und Fillon haben letzte Wahlauftritte für heute ausgesetzt, bevor am Samstag ohnehin die Black-out Periode beginnt.

Ob Le Pen oder Fillon nun im Schlussspurt vor der Wahl von den Anschlägen profitieren können, bleibt abzuwarten – immerhin ist das Thema Sicherheit zentraler, programmatischer Bestandteil der beiden Spitzenkandidaten. Während die Flüchtlingsthematik in der Vergangenheit dem Front National einen Höhenflug bereitete, konnte die Rechtspopulistin aus den Anschlägen in Frankreich jedoch bisher wenig politisches Kapital ziehen. Le Pen schwächelte mit inzwischen nur noch 22% deutlich in den aktuellen Umfragen und verlor dabei an den linksextremen Mélenchon. Letzterer liefert sich nach wie vor ein Kopf-an-Kopf- Rennen um den dritten Platz zusammen mit dem Republikaner Fillon. Unter Berücksichtigung der statistischen Fehlertoleranz dürfte es Mélenchon jedoch sehr schwer haben, den derzeitigen Präsidentschaftsfavoriten Macron einzuholen. Diesem wiesen Demoskopen seit Anfang dieser Woche durchgehend den ersten Platz in der ersten Wahlrunde zu. Von entscheidender Bedeutung für den Wahlausgang dürfte die Mobilisierung von bisherigen unentschiedenen beziehungsweise Nicht-Wählern sein. Rund ein Drittel der wahlberechtigten Franzosen plant nicht zur Wahlurne zu gehen.

Aufgrund der jüngst anhaltenden Führung Macrons in den Umfragen war in den letzten Handelstagen eine gewisse Erleichterung an den europäischen Kapitalmärkten zu beobachten. Nichtsdestotrotz zeigte in den vergangenen Monaten ein Boogie-Woogie französischer Anleihen im Rhythmus zu den Umfragewerten, dass Anleger besonders zittrige Hände bekommen haben. Vor allem wird ein Worst-case Szenario in Form einer finalen Runde zwischen Le Pen und Mélenchon befürchtet. Eine Stichwahl zwischen der Rechtspopulistin und Macron bleibt zwar das plausibelste Szenario. Der außergewöhnlich hohe Nicht-Wähler Anteil, die zunehmende Popularität extremer politischer Positionen sowie der bisherige erratische Vorwahlkampf bieten Spielraum für ein statistischen Erhebungen widersprechendes Wahlergebnis.

21.04.2017

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