Inflationsrate im Euro-Raum: Ostern treibt Teuerung – Jahreshöchststand sollte erreicht worden sein

Noch einmal nimmt die Inflationsrate im Euro-Raum Anlauf. Die jährliche Rate lehnt sich im April, nach vorläufigen Daten, mit +1,9 Prozent wieder an die Zielmarke der EZB von „nahe aber unter 2 Prozent“ an. Ein Indiz für einen zunehmenden Preisdruck in der Währungsunion liefert der Aprilwert allerdings nicht. Der Anstieg ist vielmehr auf den sogenannten Ostereffekt zurückzuführen, was insbesondere an dem abrupten Anstieg der Kernrate ablesbar ist. Von nun an dürfte sich der Preisdruck im weiteren Jahresverlauf wohl tendenziell erst einmal wieder abbauen, da insbesondere der starke Auftrieb bei den Energiepreisen abnehmen dürfte – vorausgesetzt, der Ölpreis schlägt keine unerwarteten Kapriolen.  Damit sollte er Rechtfertigungsdruck der EZB zunächst wieder abnehmen. Jedoch bleibt festzuhalten, dass die weniger volatile Kernrate der Inflation auf 1,2% gestiegen ist. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzen sollte, dürfte die EZB schnell wieder in Erklärungsnot kommen, warum man den geldpolitischen Kurs nicht den fundamentalen Entwicklungen anpasst.

Der erneute Anstieg der Inflationsrate im Euro-Raum deutete sich bereits im Vorfeld durch die vorläufigen Daten aus Deutschland (+2,0 Prozent) und Spanien (+2,6 Prozent) an, wo die harmonisierte Inflationsrate die Markterwartungen positiv überraschen konnte. Verantwortlich dafür dürfte sich vor allem der sogenannte Ostereffekt zeigen. Üblicherweise verteuern sich im Ostermonat die Dienstleistungspreise besonders in den Segmenten Touristik und Transport. Da Ostern in diesem Jahr im April liegt und im vergangenen Jahr in den März fiel, ergibt sich im Vorjahresvergleich eine Verzerrung bei der Inflationsrate, die sich außergewöhnlich positiv auf die Teuerung im April auswirkte.

In Frankreich hingegen sank die Dienstleistungskomponente in der Inflationsrate sogar leicht. Das dürfte unter anderem an den Nachwirkungen aus dem Winterschlussverkauf gelegen haben, der die Preise im Folgemonat März etwas überzeichnet hatte. Im April dürfte sich dieser positive Preisdruck wieder abgebaut und dem Ostereffekt entgegengewirkt haben. Dadurch verharrte die harmonisierte Inflationsrate im April mit +1,4 Prozent auf ihrem Vormonatswert.

Ist das Ende der Fahnenstange erreicht? Die turbulente Entwicklung der Inflationsrate für den Euro-Raum dürfte im April ihr vorläufiges Ende gefunden haben. Verschiedene Sondereffekte wie der rasante Anstieg der Energiepreiskomponente, der temporäre Nahrungsmittelpreisauftrieb und der Ostereffekt sind erst einmal passé. Vorausgesetzt der Ölpreis notiert weiterhin in der Preisspanne der vergangenen Monate, dann dürfte sich die EWU-Inflationsrate in den kommenden Monaten erst einmal wieder abbauen und sich damit vorerst wieder von der EZB-Zielmarke entfernen.

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