US-Wirtschaft: Sondereffekte verhageln abermals die Bilanz des ersten Quartals

Die jüngst veröffentlichten Daten zum Schwung der US-Wirtschaft im ersten Quartal sind wieder einmal recht schwach ausgefallen, auf das Jahr hochgerechnet wurde nur eine Steigerung um 0,7 Prozent gemeldet. Vorausgegangen war im vierten Quartal ein deutlicher Zuwachs von 2,1 Prozent. Präsident Trump wird den schwachen Jahresauftakt, den die neuesten Daten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigen, wohl als Beweis für die schlechte Verfassung der US-Wirtschaft interpretieren. Nach unserer Einschätzung ist es wichtiger darauf hinzuweisen, dass die Schwierigkeiten, die die Saisonbereinigung bei diesem sehr großen und auch von sehr unterschiedlichen klimatischen Zonen geprägten Land aufwirft, weiterhin bestehen und die statistische Erfassung der wirtschaftlichen Dynamik beeinträchtigen. Wiederholt hat die Statistikbehörde verlautbart, dass besonders der Zeitraum Januar bis März von dieser Problematik betroffen ist und eine Verbesserung weiterhin in Arbeit ist. Aber nicht nur klimatische, sondern auch andere Sondereffekte lasten auf den jüngsten BIP-Daten und haben dafür gesorgt, dass vor allem der private Konsum als üblicher „Wachstumsgarant“ nur einen sehr schwachen positiven Wachstumsbeitrag geliefert hat.

Die auf einem historischen Hoch notierende Stimmung bei den Konsumenten und auch die gute Beschäftigungslage sprechen jedoch dafür, dass im laufenden und auch in den kommenden Quartalen wieder mit deutlich stärkeren Impulsen vom privaten Verbrauch zu rechnen ist. Von daher rechnen wir unverändert in diesem Jahr mit einem Wachstum der US-Wirtschaft in Höhe von rund zwei Prozent. Gestützt wird unsere Einschätzung, die vor den jüngsten Zahlen manchem recht optimistisch erscheinen mag, auch durch die weiterhin positive Entwicklung der Investitionen. Diese lieferten das dritte Quartal in Folge einen positiven Wachstumsbeitrag, der sich gleichermaßen auf Investitionen in Ausrüstungen, in Wohnungsbauten und in Gewerbebauten verteilte. Auch das insgesamt recht gute Wirtschaftsklima spricht für wieder höhere Wachstumsraten in den kommenden Monaten.

Die witterungsbedingten Bremseffekte bestanden im ersten Quartal dieses Jahres in ungewöhnlich milden Temperaturen, die für diese Jahreszeit vergleichsweise niedrige Ausgaben für Strom und Gas zur Folge hatten. Ein weiterer negativer Effekt, der den Schwung der privaten Konsumausgaben noch sichtbarer drosselte, waren rückläufige Autokäufe. Nach kräftigen Verkaufszahlen in den vorangegangenen drei Quartalen hatten die für den Einzelhandelsumsatz vorliegenden Daten bereits eine Korrektur in diesem Bereich angedeutet. Am meisten Wachstum ging aber durch einen recht verhaltenen Lageraufbau verloren, der allein das wirtschaftliche Tempo um -0,9 Prozentpunkte drosselte. Als wären das nicht schon genug negative Faktoren wurden darüber hinaus auch noch von öffentlicher Seite die Ausgaben reduziert, was das Wachstum um weitere -0,3-Prozentpunkte reduzierte. Zumindest auf kommunaler Ebene könnte diese Entwicklung im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl vom vergangenen Herbst stehen, auf Bundesebene bremsten verringerte Verteidigungsausgaben. Der Außenhandel lieferte nach der ersten Schätzung für die BIP-Daten zwar erfreulicherweise keinen negativen, aber auch keinen positiven Wachstumsbeitrag. Immerhin konnten die Exporte stärker gesteigert werden als die Importe. Dennoch dürften diese Zahlen kaum geeignet sein, um den US-Präsidenten von seinen Vorbehalten gegenüber einem freien Welthandel und der Neuverhandlung des Handelsabkommens NAFTA mit Kanada und Mexiko abzubringen.

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