Deutscher Wohnungsmarkt: Die Preise steigen weiter, doch das Tempo hat nachgelassen

Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung: Im ersten Quartal 2017 sind die Preise für Wohneigentum in Deutschland erneut gestiegen. Das geht aus dem gerade vom Verband deutscher Pfandbriefbanken veröffentlichten Preisindex für den deutschen Immobilienmarkt hervor. Gegenüber dem Vorjahresquartal zogen die Preise mit 5,6 Prozent erneut kräftig an. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich allerdings Bremsspuren in der Preisentwicklung: Die eher träge Jahresveränderungsrate der Preise verdeckt, dass sich der Preisanstieg auf Quartalsbasis spürbar verlangsamt hat. Im ersten Quartal 2016 verteuerte sich Wohneigentum um 1,7 Prozent, im zweiten um 2,2 Prozent, im dritten um 1,5 Prozent, im vierten um 1,0 Prozent – und schließlich im ersten Quartal 2017 nur noch um 0,8 Prozent. Geht dem Wohnungsmarkt jetzt die Puste aus? Oder atmet der Markt nur für den nächsten Anstieg tief durch? Aus unserer Sicht sind derzeit noch die Argumente schwerwiegender, die für einen weiterhin eher kräftigen Preisanstieg sprechen.

Es müssen ja nicht gleich wieder 6 Prozent wie 2016 werden. Erstens sind die Zinsen nach wie vor im Keller; Kredite bleiben somit günstig, während Sparen weniger unattraktiv ist. Zweitens hält die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt unverändert an; das zeigen steigende Beschäftigungszahlen und Lohnzuwächse. Drittens ist Kaufen oft attraktiver als Mieten, denn angesichts erheblich angezogener Wohnungsmieten führen die niedrigen Finanzierungskosten in vielen Fällen zu einer Kreditrate, die niedriger als die monatliche Kaltmiete für eine vergleichbare Wohnung ausfällt. Und viertens, ein nicht unwesentlicher Aspekt, blicken die Deutschen überwiegend zuversichtlich in die Zukunft, worauf die hohen Werte für das Verbrauchervertrauen hindeuten.

Diese Faktoren dürften dafür sorgen, dass die Preisdynamik im Jahresverlauf wieder anzieht. Damit ist die Gefahr, dass sich die Preise weiter vom fundamental gerechtfertigten Niveau entfernen, nicht gebannt. Das gilt insbesondere auch deshalb, weil sich in den Metropolen, den sieben größten deutschen Städten, bislang keinerlei Ermüdungserscheinungen des hier besonders kräftigen Preisauftriebs zeigen. Risikomindernd wirken sich aber die nach wie vor die vergleichsweise niedrige Verschuldung der privaten Haushalte und das nur moderate Wachstum der Immobilienkredite aus.

Für eine perspektivisch langsamere Marktdynamik lassen sich aber durchaus Gründe anführen. Auf Dauer dürfte sich das schon recht hohe Preisniveau selbst bremsend auswirken. Möglicherweise agieren die Käufer auch aufgrund der regelmäßigen Warnungen vor den Gefahren einer Immobilienblase vorsichtiger. Außerdem könnte die Finanzierung der hohen Preise den Haushalten zunehmend Probleme bereiten, weil sie nicht mit dem Ansparen des erforderlichen Eigenkapitals nachkommen. Ein weiteres Argument ist das steigende Neubauangebot durch den kräftig in Schwung gekommenen Wohnungsbau. Und zu guter Letzt könnten zunehmend überzogene Preisvorstellungen der Verkäufer das Anstiegstempo des Marktes dämpfen.

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