Griechenland: Schulden für die Ewigkeit

In den Dauerstreit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern kommt Bewegung. Sowohl Vertreter der Eurogruppe als auch von Hellas haben Anfang Mai eine vorläufige Einigung über einen neuen Maßnahmenkatalog bekanntgegeben. Dieser sieht unter anderem Einsparungen in Höhe von 2% des griechischen BIP vor. Die Eurogruppe tritt am 22. Mai zusammen und befindet über mögliche Auszahlungen. Ein Liquiditätsengpass, der im Juli gedroht hätte, sollte somit noch rechtzeitig abgewendet werden. Eine langfristige Schuldentragfähigkeit ist damit aber nach wie vor nicht gegeben.

Bislang profitiert das Land davon, dass die Aufwendungen für den Schuldendienst minimal sind. Unsere Modellanalyse zeigt aber auf, dass Griechenlands Weg zum Abbau der massiven Verschuldung ohne einen Schuldenerlass ein langer sein wird und sowohl von einer jahrzehntelangen wirtschaftlichen Erholung als auch von langfristig sehr günstigen Kreditbedingungen abhängt. Das Land ist deswegen auch zukünftig auf neue, günstige Hilfskredite angewiesen. Würde Griechenland alternativ darauf setzen, fällige Anleihen oder Kredite über den Markt zu refinanzieren, droht die Schuldenstandsquote sogar weiter anzusteigen. Nur wenn es Hellas gelänge, langfristig einen Primärsaldoüberschuss von 1% des BIP und ein jährliches BIP-Wachstum von um die 3% des BIP zu verbuchen, ist eine zunehmende Refinanzierung über den Markt und eine Rückführung der Schuldenstandsquote realistisch. Angesichts fehlender Strukturreformen ist Griechenland aber noch weit davon entfernt, den hierzu erforderlichen Pfad einzuschlagen.

Trotz der zweifelhaften langfristigen Schuldentragfähigkeit hat in den vergangenen Monaten der Optimismus in Reihen der Investoren spürbar zugenommen. Angesichts der großen Herausforderungen vor denen Griechenland steht, wird dieser Optimismus in Zukunft noch harten Proben unterzogen werden.

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