Was ist das Geschäftsmodell Griechenlands?

Auch gestern Abend gelang der große Durchbruch beim Eurogruppen-Treffen zur Freigabe weiterer Hilfsgelder für Griechenland nicht. Ausnahmsweise scheiterten die Verhandlung weniger am üblichen Streit zwischen den EWU-Gläubigern und Hellas über die Erfüllung von Reformauflagen, sondern wurden vor allem aufgrund zunehmender Uneinigkeit zwischen Brüssel und Washington vertagt. Die Europartner, hier allen voran Berlin, fordern nach wie vor, dass sich der Internationale Währungsfonds am dritten Hilfsprogramm beteiligt. Dazu stellt der IWF jedoch die Bedingung, dass die EWU-Geldgeber konkrete Pläne zur Schulden(dienst)erleichterung vorlegen. Doch vor allem die deutsche Bundesregierung will dieses heikle Thema erst nach der Bundestagswahl anfassen – muss sie sich sonst von der rechtspopulistischen Konkurrenz vorwerfen lassen, Milliardengeschenke an Griechenland zu verteilen.

Die Forderung des IMF nach einer Schuldenerleichterung für Griechenland ist durchaus berechtigt. Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürfte Griechenland kaum in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen. Das zugrundeliegende Problem ist aber die unbeantwortete Frage nach dem nachhaltigen Geschäftsmodell Griechenlands. Solange man hierauf noch keine angemessene Antwort gefunden hat, wird man Griechenland finanziell unterstützen müssen. Zu Beginn der Währungsunion noch durch die „Draghi-Dividende“ der fallenden Zinsen – und als diese aufgebraucht war, durch direkte finanzielle Unterstützung.

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