Inflation im Euro-Raum ist weiterhin kein Problem

Die Verbraucherpreise steigen im Euro-Raum deutlich langsamer. Die Inflationsrate (Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI)) sank gemäß der Schnellschätzung von Eurostat von +1,9 Prozent im April auf +1,4 Prozent im Mai. Neben dem nachlassenden Preisdruck seitens der Energiekosten, die in der Jahresrate im Vormonatsvergleich von +7,5 Prozent auf +4,6 Prozent sanken, gingen auch die Teuerungsrate für unverarbeitete Nahrungsmittel und besonders die Preise für Dienstleistungen zurück. Die Kernrate, also die Inflationsmesszahl ohne Energie und Nahrungsmittel, gab von +1,2 auf +0,9 Prozent nach. Nach mehreren Sondereffekten, die im Frühjahr für eine volatile Verbraucherpreisentwicklung gesorgt haben, dürfte die Inflationsrate im weiteren Jahresverlauf 2017 eine ruhigere Gangart einlegen. Akuter Handlungsdruck besteht für die Europäische Zentralbank (EZB) im Hinblick auf diese Entwicklung kaum.

Die EWU-Mitgliedsländer, die ebenfalls schon eine Schnellschätzung zur Inflationsentwicklung abgeliefert haben, weisen alle einen spürbaren Rückgang der Inflationsrate auf. In Deutschland ging der HVPI von +2,0 auf +1,4 Prozent zurück, in Frankreich von +1,4 auf +0,9 Prozent, in Italien von +2,0 auf +1,5 Prozent und in Spanien von +2,6 auf +2,0 Prozent.

Wie geht es nun weiter? Die Entwicklung der Verbraucherpreise im Euro-Raum war in den vergangenen Monaten durch ein stetiges Auf und Ab geprägt. Die Energiepreise hatten die Inflationsrate in den Jahren zuvor noch deutlich nach unten gezogen. Auch die kalte Witterung hat zu Beginn des Jahres im Süden Europas zu Ernteausfällen geführt und die Nahrungsmittelpreise zwischenzeitlich deutlich erhöht. Zuletzt sorgte die Verschiebung der Osterfeiertage, die in diesem Jahr im April und im vergangenen Jahr im März lagen, für reichlich Bewegung in der Jahresrate der Dienstleistungspreise. Alle diese Effekte lassen jedoch nach.

Es deutet im Moment kaum etwas darauf hin, dass in den kommenden Monaten die Inflationsentwicklung wieder kräftig anziehen sollte. Sofern keine Sondereffekte auftreten, beispielweise ein abrupter Anstieg des Rohölpreises, dürften die Teuerungsrate der Verbraucherpreise in der EWU in der Tendenz bis zum Jahresende 2017 ungefähr auf dem aktuellen Niveau bleiben. Dies sollte der EZB bei ihrer Argumentation in die Hände spielen. Ein akuter oder gravierender Preisdruck lässt sich aus den aktuellen Zahlen nicht ableiten.

Jedoch hat sich das konjunkturelle Umfeld in den letzten Monaten verbessert, so dass die aktuelle Inflationsentwicklung den Beginn der Normalisierung der Geldpolitik nicht im Wege stehen sollte.

 

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