Globale Geldpolitik steht vor großen Veränderungen

Der Beginn der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise liegt nun fast genau zehn Jahre zurück, doch in der internationalen Geldpolitik ist die Krise noch so präsent als wäre es gestern gewesen. Fast alle großen Notenbanken, zumindest in den Industrieländern, halten ihre Leitzinsen bei Null oder nur wenig darüber und in vielen Ländern wird daneben noch laufend Liquidität über den Ankauf von Aktiva in die Märkte gepumpt. Nie zuvor gab es eine derart lange Phase extrem expansiver Geldpolitik.

Doch aktuell mehren sich nicht nur in den USA und im Euro-Raum die Anzeichen, dass ein größerer geldpolitischer Umbruch bevorsteht. Zwar sieht es derzeit so aus, als könnte er sich sehr langsam vollziehen. Denn die Notenbanken haben keinen Grund zur Eile, die Inflationsaussichten sind zwar angestiegen, sie halten sich aber immer noch in Grenzen.

Das muss aber nicht so bleiben. Besonders in den USA besteht das Risiko, dass sich die Inflationsrate beschleunigt und damit die Notenbank unter Druck setzt. Welchen Kurs wird die Fed dann verfolgen?

Man kann in der Geldpolitik der letzten Jahrzehnte zwischen drei aufeinander folgenden Phasen bzw. Regimen unterscheiden: Ende der 60er Jahre begann die Phase der geldpolitischen Inflationsbekämpfung, die bis zum Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre anhielt; seit Anfang der 90er Jahre agierte die Geldpolitik eher „wachstumsgetrieben“ und der Kampf gegen die Inflation rückte in den Hintergrund; mit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007 und bis heute steht für die Geldpolitik eindeutig die Krisenbekämpfung im Vordergrund, neue Instrumente wurden entwickelt und der Fokus der Zentralbanken verschob sich zusehends von der Realwirtschaft zu den Finanzmärkten.

Was ist die neue Strategie? Zunächst liegt sicherlich eine Rückkehr zur Strategie der Wachstumssteuerung nahe, die schon vor der Finanzmarktkrise das herrschende Paradigma war und an die sich die meisten Finanzmarktakteure noch mehr oder weniger gut erinnern können. Schon diese Strategie könnte jedoch mit Blick auf die kommenden ein bis zwei Jahre zu Zinsanhebungen führen, die die aktuellen Erwartungen der Marktakteure deutlich übertreffen.

Die Zentralbanken könnten sich jedoch auch gezwungen sehen, zur Anti-Inflationspolitik der 70er und 80er Jahre zurückzukehren. Zu einem Wiederaufleben der Inflation könnten etwa die weltweiten Bestrebungen führen, die sich dem Freihandel entgegen stellen. Mehr Protektionismus führt auf direktem Wege zu höheren Preisen, denn er beschränkt den Wettbewerb auf Güter- und Arbeitsmärkten. Auch die Tendenzen, die Reformen auf den Arbeitsmärkten zurückzudrehen, wirken in diese Richtung. Für die Finanzmärkte, die in den letzten Jahren verwöhnt wurden von einer überfürsorglichen Geldpolitik, könnte das ein böses Erwachen bedeuten.

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