Geldpolitik im Wandel

Seit der globalen Finanzkrise ging es geldpolitisch rund um den Globus nur in Richtung Expansion. Was als herkömmlicher (wenngleich aggressiver) Lockerungszyklus begann, verwandelte sich im Zuge dicht aufeinander folgender Krisen bald in eine Flut unorthodoxer Maßnahmen. Doch die Zeiten ändern sich. Die Anzeichen für den Beginn eines weltweiten geldpolitischen Normalisierungsprozesses nehmen deutlich zu. Zuletzt wurde immer offensichtlicher, wie groß die Sorge mittlerweile ist, den richtigen Zeitpunkt für eine Trendwende zu verpassen und damit, im schlimmsten Fall, erneute Finanzmarktturbulenzen auszulösen.

Die US Notenbank war der Wegbereiter der neuen geldpolitischen Ausrichtung. Doch auch die EZB befindet sich, wenngleich äußerst zögerlich, auf dem Pfad in Richtung einer Normalisierung der Geldpolitik. Selbst die britische Zentralbank denkt nun laut über den langsamem Einstieg in den Ausstieg nach, trotz aller Sorgen rund um den Brexit. Sicherlich gibt es auch immer noch Zentralbanken, die am bisherigen Kurs festhalten wollen, aber deren Zahl sinkt.

Das globale geldpolitische Gefüge beginnt sich also zu verschieben: immer mehr Zentralbanken blicken aktiv in Richtung einer Normalisierung und immer weniger sind überhaupt noch bereit über eine weitere Expansion der Geldpolitik nachzudenken. Dennoch wird die Abkehr von den extremen Maßnahmen der vergangenen Jahre nicht einfach. Vor allem die zum Teil massiven Ankaufprogramme vieler Zentralbanken haben zu deutlichen Marktverzerrungen geführt, die nur langsam abgebaut werden können. Entsprechend vorsichtig und zögerlich ändern die Zentralbanken ihre Kommunikationspolitik. So scheint es, dass die Investoren zunächst nur mental auf den anstehenden Kurswechsel vorbereiten werden sollen, ohne das direkt Maßnahmen ergriffen werden. Diese sollen erst später folgen, wenn die Finanzmärkte das geldpolitische Wendemanöver eingepreist haben. Damit sollte in den nächsten Wochen die Volatilität an den Märkten steigen. Denn die Hoffnung auf eine Straffung der Geldpolitik dürfte noch einige Male enttäuscht werden, bevor es tatsächlich dazukommt.

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