Deutscher Arbeitsmarkt: Allmählich wird es knapp

Die Juni-Zahlen für den deutschen Arbeitsmarkt zeichnen ein überwiegend sonniges Bild, geben aber auch Hinweise auf aufziehende Bewölkung. Zunächst: Mit der aktuellen Beschäftigungslage kann man mehr als zufrieden sein. Die Zahl der Erwerbstätigen liegt im Vergleich zum Vorjahr um rund 650.000 höher, das entspricht einem Beschäftigungswachstum von rund eineinhalb Prozent. Sogar noch stärker gewachsen ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, nämlich um knapp 730.000 oder etwa 2,3 Prozent. Das zeigt, dass die gute Arbeitsnachfrage derzeit auch vielen Menschen den Übergang z.B. von einem Mini-Job in ein Normalarbeitsverhältnis gestattet.

Gleichzeitig ist die Arbeitslosenzahl auf einen neuen Tiefstand gesunken, sie liegt mit rund 2,47 Millionen um rund 140.000 niedriger als im Vorjahr. Dass sie im Juni in saisonbereinigter Betrachtung gegenüber dem Vormonat leicht angestiegen ist, ist wohl eher als technische Reaktion auf die sehr starken Rückgänge im Frühjahr zu verstehen und nicht als erstes Anzeichen einer Verschlechterung.

Dennoch zeigen die aktuellen Zahlen auch, dass es für die Unternehmen immer schwieriger wird, ihren Bedarf an neuen Arbeitskräften zu decken. Die Zahl der offenen Stellen steigt schon seit einiger Zeit rapide an, sie hat aktuell mit über 700.000 ein Rekordniveau erreicht. Die Unternehmen können derzeit nur etwa jeden fünften ihrer neu geschaffenen Jobs aus der Gruppe der Arbeitslosen besetzen. Für die übrigen offenen Stellen sind sie auf Neuzugänge in den deutschen Arbeitsmarkt angewiesen, seien es Rückkehrer aus vorübergehender Inaktivität oder – vor allem – Einwanderer nach Deutschland. Dennoch bleibt derzeit rund jede dritte neue Stelle mangels geeigneter Bewerber unbesetzt. Hätte es nicht die kräftige Einwanderung der letzten Jahre vor allem aus den europäischen Nachbarländern gegeben, wäre das deutsche „Beschäftigungswunder“ schon sehr viel früher an seine Grenzen gestoßen.

Für die Zukunft heißt das: Deutschland braucht eine Qualifizierungsoffensive, um den immer noch recht hohen Sockel an Arbeitslosigkeit weiter abbauen zu können und noch mehr Menschen die Möglichkeit der Teilhabe zu geben. Daneben braucht es aber auch eine gezielte Einwanderungspolitik, um den großen Bedarf an Fachkräften auch in Zukunft decken zu können. Denn schon heute ist der Arbeiter- und Facharbeitermangel zur größten Sorge für die deutschen Unternehmen geworden.

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