Inflationsrate im Euro-Raum weiter im leichten Rückwärtsgang

Die Entwicklung der Verbraucherpreise in der EWU schlägt nach dem volatilen Jahresbeginn eine gemächlichere Gangart ein. Die Inflationsrate sank gemäß der Schnellschätzung von Eurostat leicht von +1,4 Prozent im Mai auf +1,3 Prozent im Juni. Einmal mehr war der nachlassende Preisdruck bei den Energiepreisen für den Rückgang verantwortlich. Hier sank die Jahresrate von +4,5 Prozent auf +1,9 Prozent im Juni. Bei den anderen Komponenten im Warenkorb der europäischen Verbraucher gab es hingegen nur leichte Bewegungen. Im weiteren Jahresverlauf rechnen wir insgesamt für die Inflationsrate im Euro-Raum nur mit einem moderaten Anstieg.

Schnellschätzungen aus den großen Mitgliedsländern weisen in der Mehrheit ebenfalls einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Rückgang auf. In Frankreich ging die Inflationsrate von +0,9 auf +0,8 Prozent zurück, in Italien von +1,5 auf +1,2 und in Spanien von +2,0 auf +1,6 Prozent. Die deutsche Inflationsrate blieb dagegen stabil bei 1,5 Prozent.

Vor dem Hintergrund des inzwischen wieder unter die Marke von 50 US-Dollar gesunkenen Rohölreises ist es kaum verwunderlich, dass der Geldbeutel der Verbraucher an der Tanksäule geschont wird. Zusätzlich zogen die Preise im Segment Nahrungsmittel und dabei im Bereich der unverarbeiteten Nahrungsmittel weniger stark an als zuvor. Gerade zur Jahreswende 2016/2017 hatte die kalte Witterung zu Ernteausfällen in südeuropäischen Anbaugebieten geführt und die Teuerungsrate bei den Nahrungsmitteln deutlich angeschoben. Von diesem Effekt ist inzwischen nichts mehr übrig. Zudem bremst der gefestigte Außenwert des Euro bei den Importen Preisauftriebstendenzen.

Für die zweite Jahreshälfte 2017 deutet in der aktuellen Lage kaum etwas darauf hin, dass die Inflationsrate in der EWU wieder kräftig ansteigen dürfte. Gerade der Rohölpreis zeigt sich von der politischen Krise rund um das Emirat Katar relativ unbeeindruckt. Und dies trotz der fortlaufenden Bestrebungen der OPEC (Organisation der erdölexportierenden Länder), durch die beschlossene Förderbegrenzung den Ölpreis anzuheben. Auch der binnenwirtschaftliche Preisdruck im Euro-Raum bleibt vor dem Hintergrund einer noch immer hohen, aber allmählich sinkenden Arbeitslosigkeit und einer sich nur graduell schließenden negativen Output-Lücke begrenzt. Vor diesem Hintergrund dürfte die Inflationsrate im weiteren Jahresverlauf allenfalls nur leicht ansteigen.

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