Japan – schwacher Konsum bremst die Konjunktur

Japans Wachstumszahlen aus dem ersten Quartal stellen sich nach der Abwärtsrevision vom Juni bei weitem nicht mehr so eindrucksvoll positiv dar wie zuvor. Das Wachstumstempo wurde glatt halbiert auf gerade noch +0,3 Prozent (Q/Q). Dies hat den Konjunkturoptimismus vom Frühjahr etwas zurechtgestutzt.

Wichtige Stimmungsindikatoren geben ein gemischtes Bild darüber ab, ob Japans Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf „Kurs“ halten und vielleicht in höherem Tempo als zu Jahresbeginn weiter wachsen wird. Gewisse positive Zeichen hat hier der jüngste Tankan-Index der Notenbank gesetzt, der die Stimmung im Unternehmenssektor erfasst. Er hat sich zumindest für die Großindustrie zur Jahresmitte über Erwarten verbessert.

Demgegenüber zeigt das Konsumklima seit Jahresbeginn nur einen Seitwärtstrend. Der exportgetriebenen Industriekonjunktur, die von der verbesserten Nachfrage im Ausland und der Yen-Abwertung seit Jahresbeginn gestützt wird, steht eine eher mäßige Binnennachfrage gegenüber. Die Konsumenten agieren weiter eher vorsichtig und risikoscheu. Ob und wann ein neues Fiskalpaket kommt, das die japanische Konjunktur auch in den nächsten Quartalen und bis ins nächste Jahr hinein abstützen könnte, ist derzeit reine Spekulation.

Wird die Konjunktur in Japan auch ohne weitere fiskalpolitische Hilfe ihre Dynamik halten können? Geht man von der guten Exportkonjunktur aus, so könnten hier die positiven Impulse noch eine Weile anhalten. In Bezug auf die schwächere Binnennachfrage ist aber festzuhalten, dass es hier deutlich schwieriger sein wird, eine dynamischere Entwicklung zu entfachen. Dies liegt vornehmlich an der nur moderaten Lohnentwicklung.

Letztes Jahr betrug der durchschnittliche nominale Anstieg der Gesamtlöhne lediglich +0,5 Prozent. Rechnerisch erhöht wurde die Konsumkaufkraft zwar dadurch, dass die Inflation im Sommerhalbjahr 2016 deutlich unter Null lag und sie im Gesamtjahr negativ blieb. Dies stellt sich im laufenden Jahr nun etwas anders dar: Während von Januar bis April die Nominallohnzuwächse weiter sehr niedrig blieben, wurde der Einkommensgewinn daraus vollständig durch die seit letzten Oktober wieder positive Inflation zunichte gemacht. Real bleibt den Verbrauchern also derzeit kein Kaufkraftzuwachs mehr. Die Unternehmen dürften weiter zögern, höhere Lohnsteigerungen zu gewähren, weil sie Wettbewerbsnachteile vermeiden wollen. Demgegenüber sind die Arbeitnehmer und Gewerkschaften offensichtlich mit relativ niedrigen Lohnsteigerungen zufrieden. Sie versprechen sich davon Arbeitsplatzsicherheit und ein stabiles soziales Umfeld.

Angesichts des nach wie vor noch nicht sehr hohen Grades an Optimismus im Firmensektor sehen wir für Japan für das zweite Quartal und darüber hinaus bis zum Jahresende 2017 kaum Wachstumsraten, die über die Dynamik des ersten Quartals hinausgehen. Nicht nur die Investitionstätigkeit dürfte begrenzt bleiben. Auch die private Konsumlust dürfte unter der schleppenden Lohndynamik weiter leiden. Dagegen bleiben Japans Exporte wechselkursseitig sehr wettbewerbsfähig und werden vorerst weiter auf die recht hohe Nachfrage auf den wichtigsten Absatzmärkten in Übersee treffen. Für das Gesamtjahr 2017 sehen wir daher ein BIP-Wachstum, das mit +1,2 Prozent etwas über der Potenzialrate liegt, für nächstes Jahr gehen wir von einer Zuwachsrate von 1,0 Prozent aus.

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