Internationale Rolle des Euro auf dem Prüfstand

Die Entwicklung der letzten beiden Jahre war geprägt von diversen Gegenwinden, denen sich der Euro vor allem von politischer Seite ausgesetzt sah, angefangen beim EU-Austrittsvotum der Briten über die neue US-Administration bis hin zu den Herausforderungen der Wahlen in wichtigen EU-Ländern. Doch auch die strukturellen Folgen der Anleihekaufprogramme der EZB haben sich als Herausforderung für die Reputation des Euro erwiesen. Die EZB hat jüngst ihre jährliche Bestandsaufnahme für die „Internationale Rolle des Euro“ veröffentlicht und prüft die Auswirklungen besagter Entwicklungen für die Akzeptanz des Euro außerhalb des eigenen Währungsraums. Die internationale Verbreitung des Euro wird dazu an mehreren ausgewählten Funktionen einer Währung festgemacht. Lediglich als Reservewährung konnte sich der Euro auf niedrigem Niveau behaupten, in den anderen Bereichen lässt seine internationale Verbreitung im Trend nach, während der US-Dollar unbestreitbar die Weltwährung Nummer Eins bleibt.

Unmissverständlich fällt das Votum in Sachen Investitionswährung für den Euro aus – oder vielmehr gegen ihn. Im Jahr 2016 haben ausländische Investoren EWU-Wertpapiere für 86 Mrd. EUR verkauft, verglichen mit den Vorjahren mit Zuflüssen im dreistelligen Milliardenbereich ein klarer Strukturbruch. Ein Spezialfall der Anlagewährungsfunktion ist die offizielle Reservehaltung der weltweiten Notenbanken. Hier konnte der Euro seinen Status zuletzt behaupten, wenn auch auf niedrigem Niveau mit einem Anteil von knapp 20% gegenüber 64% beim US-Dollar.

Im internationalen Zahlungsverkehr liegt die EUR-Quote bei 31,3%, gegenüber 29,3% im Jahr 2015 und 44% in 2012. Spitzenreiter in Sachen Zahlungsverkehr ist unbestreitbar der US-Dollar mit einem Anteil von 42,1%. Von den insgesamt 5,1 Bio USD Umsatz, die weltweit am FX-Markt an einem durchschnittlichen Tag getätigt wurden, war der Euro bei 31,3% involviert, der US-Dollar bleibt Platzhirsch mit 87,6%. (Insgesamt kommen die Anteile auf 200%, da immer zwei Währungen an einer Transaktion beteiligt sind.) Im Vergleich mit den Vorjahren hat der Euro dabei spürbar abgebaut. Den größten Anteil hatte er 2010 mit einer Beteiligung von 39,1%.

Entgegen der bei seiner Einführung hoch hängenden Erwartungen ist es dem Euro nicht geglückt, sich einen größeren Namen bei internationalen Schuldtiteln zu machen (also solchen, die in nicht-heimischer Währung begeben werden). Im Jahr 2004 hatte er es zu einem Hoch bei einem Anteil von 29,3% gebracht, seitdem hat er stetig abgegeben und bringt es Ende 2016 nur noch auf 22%. Die rückläufige Rolle des Euro als Finanzierungswährung ist angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfelds in Europa zunächst kontraintuitiv. Entscheidend dürfte hier die Auflösung des als „gedeckte Zinsparität“ bekannten Zusammenhangs sein. Dass die Basis bei Cross Currency Swaps bereits über einen längeren Zeitraum deutlich im negativen Bereich verharrt, hat synthetische USD-Finanzierungen über das Vehikel des Euro zunehmend unattraktiv gemacht.

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2 Kommentare

Joachim Schad

Lieber Herr Bielmeier,
als Mitarbeiter im DG Verlag lese ich gerne und interssiert Ihre Beiträge. Zum o.g. Thema wäre meine Frage,
wie die beschriebenen Tendenzen zur aktuellen Aufwertung des Euro ggü. US$ passen.
Eigentlich müsste doch das Gegenteil der Fall sein (Stichwort Zinsgefälle) sein.
Stimmen denn die Annahmen der volkswirtschaftlichen Außenhandelstheorie nicht mehr?
Freundliche Grüße
Joachim Schad
Diplom ök.

Ayse Rüzgar

Sehr geehrter Herr Schad,

die aktuelle EUR-USD-Stärke spiegelt sich in der Tat nicht – oder vielmehr NOCH nicht in diesen Daten wieder.

Zum einen sind die meisten Kennziffern erst per Ende 2016 verfügbar, können also den jüngsten Stimmungsumschwung zugunsten des Euro noch gar nicht abbilden. Zum anderen erfolgt ein struktureller Wandel (wie bei den hier geschilderten Faktoren) typischerweise sehr viel langsamer als am schnelllebigen Devisen-Kassamarkt.

Insofern dürften wir bei dem hier skizzierten Bedeutungsverlust des Euro die „Nachholeffekte“ der Euro-Probleme bzw. der globalen USD-Stärke der letzten Jahre sehen. Bis sich das in 2017 vorherrschende Stimmungsbild (einschließlich Zinsgefälle) niederschlägt, bedarf es noch etwas Zeit – wie so häufig bei außen- und anderen volkswirtschaftlichen Theorien, die typischerweise langfristig gelten, aber zur Erklärung kurzfristiger Entwicklungen selten geeignet sind.

Viele Grüße

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