Griechenland: Will zurück ins Kapitalmarktglück

Im Rahmen des dritten Hilfsprogramms hat Griechenland am vergangenen Montag die nächste Tranche in Höhe von 7,7 Mrd. Euro erhalten. Damit sind die Liquiditätsengpässe, die Ende Juli gedroht hätten, beseitigt. Die griechische Regierung hat somit zunächst bis 2019, wenn wieder größere Fälligkeiten anstehen, finanziellen Freiraum. Da Hellas die Reformanforderungen seiner Gläubiger vorerst erfüllt hat, wird in den kommenden Monaten das Thema Schuldendiensterleichterung wieder in den Fokus rücken. Allerdings dürften sich die EWU-Kreditgeber frühestens nach der Bundestagswahl Ende September zu finanziellen Entlastungen für Griechenland durchringen können. Sollte dies gelingen, könnte die griechische Regierung ihrem Ziel, wieder selbstständig am Primärmarkt tätig zu werden, ein Stück näher rücken.

Schon seit Monaten wird spekuliert, dass das Peripherieland zurück an den Kapitalmarkt kehren könnte. Jüngst hatte auch ESM-Chef Regling dieses Vorhaben unterstützt. Schließlich sind auch andere Länder unter dem Euro-Rettungsschirm wie Irland oder Portugal bereits deutlich vor Programmende an die Märkte zurückgekehrt. Besonders die griechische Regierung verfolgt seit einiger Zeit das Ziel wieder selbstständig zu emittieren und möchte somit ein politisches Signal senden, dass die Abhängigkeit von seinen Gläubigern abnimmt. Innenpolitisch muss die angeschlagene Regierung dringend weitere Erfolge vorweisen. Daher soll die griechische Regierung bereits Kontakt zu ausländischen Investoren aufgenommen haben.

Die Rendite zehnjähriger GGBs befindet sich mit 5,4% aktuell auf dem niedrigsten Stand seit 2009 und somit auch leicht unter dem Niveau von 2014, als Griechenland das letzte Mal am Primärmarkt tätig war. Damals emittierte das Land einen fünfjährigen Bond mit einem Kupon von 4,95%. Aktuell liegt die Rendite eines Staatstitels dieser Laufzeit bei 3,8%. Eine Ankündigung von Schuldendiensterleichterungen und Hoffnungen über die Aufnahme Griechenlands in das PSPP könnten den Renditeabwärtstrend weiter fortsetzen. Auch wenn jüngst das Investoreninteresse an Griechenland wieder zugenommen hat, sollte die Haltung gegenüber der aktuellen griechischen Regierung von Skepsis geprägt bleiben – hat Tsipras Mannschaft in den vergangenen Jahre zu wenig ernsthaften, nachhaltigen Reformwillen und zu viel Sprunghaftigkeit bewiesen. Da Griechenland im Vergleich hierzu für ESM-Kredite derzeit nicht einmal ein Prozent an Zinsen zahlt, ist eine umfassende Refinanzierung über den Kapitalmarkt fiskalisch ohnehin kaum umsetzbar.

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