China hält auch in Q2 das erhöhte Wachstumstempo

Chinas Wirtschaft ist auch im zweiten Quartal dieses Jahres um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen und hat damit das leicht beschleunigte Wachstumstempo vom Jahresauftakt halten können. Die monatlichen Konjunkturzahlen vom April und Mai hatten noch einen leichten Tempoverlust im zurückliegenden Quartal nahegelegt, im Juni scheint die Konjunktur aber wieder deutlich an Schwung gewonnen zu haben. Dies sind gute Vorzeichen für die zweite Jahreshälfte, in der das Wachstum erhöht bleiben dürfte. Im Vorfeld des im Herbst anstehenden Parteitages der Kommunistischen Partei (KP), der nur alle fünf Jahre stattfindet, ist „Stabilität“ ein zentrales Anliegen der Führung in Peking. Sie wird im Ernstfall auch mit kurzfristigen Wachstumsspritzen für ein günstiges konjunkturelles Umfeld sorgen. Profitieren kann die chinesische Wirtschaft derzeit aber auch von der besseren Weltkonjunktur. Der Außenhandel hat das Wachstum in den letzten Monaten gestützt. Wir halten vor diesem Hintergrund an unserer Wachstumsprognose von 6,8 Prozent für das Gesamtjahr 2017 fest.

Erneut hat die chinesische Wirtschaft mit etwas besseren Konjunkturzahlen auf der positiven Seite überrascht. Wie das chinesische Statistikamt bekannt gegeben hat, lag das jährliche Wirtschaftswachstum im zurückliegenden zweiten Quartal mit 6,9 Prozent auf der Höhe des Wachstums vom Vorquartal und damit etwas über den Markterwartungen. Bereits die beiden vorangegangenen Quartale hatten jeweils mit einer unerwarteten Wachstumsbeschleunigung überrascht. Die Konjunkturerholung in China setzt sich also fort.

Dabei hatte es zum Auftakt des zweiten Quartals eher danach ausgesehen, dass die chinesische Wirtschaft wieder an Tempo verliert, vor allem, weil die Schubkraft der staatlichen Investitionen nachlässt. Eine deutliche Ausweitung staatlicher Infrastrukturmaßnahmen hatte im vergangenen Jahr den Aufschwung angestoßen. Insbesondere in der Industrie ließ im April und Mai nicht nur das Wachstumstempo nach, auch die Stimmung trübte sich wieder sichtlich ein. Die jüngsten Indikatoren vom Juni legen aber nahe, dass die Konjunktur zum Quartalsschluss wieder an Schwung gewonnen hat. Das Wachstum der Industrieproduktion hat deutlich von 6,5 auf 7,6 Prozent zugelegt – ein Drei-Monats-Hoch, im Quartalsmittel sogar die höchste Rate seit zweieinhalb Jahren. Auch die Stimmungsindikatoren haben wieder gedreht. Entscheidende Impulse scheinen dabei vom Außenhandel gekommen zu sein, die entsprechenden Umfragewerte haben sich zuletzt erkennbar verbessert. Chinas Warenausfuhren weisen inzwischen wieder zweistellige Wachstumsraten auf. Die Erholung der Exportkonjunktur ist jedoch zaghafter als sie auf den ersten Blick wirkt, da auch die Ausfuhrpreise deutlich zugelegt haben. In realer Rechnung sind die Zuwächse deshalb beträchtlich niedriger. Verglichen mit den Rückgängen der letzten beiden Jahre erweisen sie sich zurzeit aber trotzdem als gesamtwirtschaftliche Konjunkturstütze.

Die aktuellen Zahlen bestätigen uns in unserem vergleichsweise optimistischen Konjunkturausblick für China für dieses und das kommende Jahr. Die wieder etwas flottere Gangart der chinesischen Wirtschaft im Juni ist ein gutes Vorzeichen für die zweite Jahreshälfte. Die Weltkonjunktur läuft zunehmend runder und dürfte Chinas Exporte in diesem und im kommenden Jahr beflügeln. Auch politische Aspekte spielen eine Rolle: Auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei im Herbst wird sich die politische Führung gerne feiern lassen wollen. Die ranghöchsten Führungspersonen sollen in ihren Ämtern bestätigt, zahlreiche Posten aber auch neu vergeben werden. Ein günstiges konjunkturelles Umfeld ist hierfür fast schon unabdingbar. Peking wird deshalb notfalls auch erneut mit kurzfristigen Wachstumsspritzen eingreifen. Die vieldiskutierte Schuldenproblematik tritt dabei in den Hintergrund und dürfte vorerst nicht angegangen werden, was zumindest für den kurzfristigen Konjunkturausblick positiv ist. Wir halten deshalb an unserer Wachstumsprognose von 6,8 Prozent für das Gesamtjahr 2017 fest. Auch 2018 dürfte das Wachstum mit 6,7 Prozent nur geringfügig niedriger ausfallen

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