EZB: Wenig Konkretes – Mehr im Herbst

Im aktuellen Pressestatement der EZB gab es keine Änderung bezüglich der geldpolitischen Ausrichtung, im Juni waren die Risikoeinschätzung für die Konjunktur angepasst und eine Änderung der Forward Guidance zur Leitzinserwartung beschlossen worden. Im Vorfeld der aktuellen Sitzung gab es Spekulationen, die Notenbank würde den Passus streichen, dass die Anleihekäufe nochmals ausgeweitet werden könnten. Das wäre ein weiteres restriktives Signal gewesen, aber die Währungshüter konnten sich nicht zu dieser Maßnahme durchringen. Dennoch bleibt dieser Schritt eine Option, eine Ausstiegsstrategie zu kommunizieren. Den Marktteilnehmern und auch der EZB ist bewusst, dass das Kaufprogramm unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen Anfang des kommenden Jahres an seine Grenzen stößt.

Draghi verteidigte den expansiven geldpolitischen Kurs mit Verweis auf die anhaltend niedrige Inflation. Solange sich der bessere Wirtschaftsausblick nicht in höheren Inflationsraten widerspiegele, sei die expansive Geldpolitik angebracht. Die niedrigen Inflationszahlen bereiten den Währungshütern anhaltend Kopfzerbrechen, da es noch keine Anzeichen für einen überzeugenden Aufwärtstrend gibt. Die Antwort der EZB darauf ist, weiterhin geduldig und umsichtig abzuwarten, was schon ein wenig hilflos klingt. Draghi selbst hat während der Pressekonferenz ausgeführt, dass traditionelle Mechanismen zwischen Refinanzierungsbedingungen, Wachstum und Inflation derzeit nicht so funktionieren wie früher. Man sei sich aber sicher, dass die alten Beziehungen wieder hergestellt werden – nur nicht wann. Die EZB hofft also und drückt so lange das geldpolitische Gaspedal durch. Damit hat Draghi die Erwartungen hinsichtlich eines anstehenden Kurswechsels, die durch seine Sintra-Rede ausgelöst wurden, wieder vom Tisch genommen und lediglich Andeutungen gemacht, dass man im Herbst über die Ausrichtung der Gelpolitik diskutieren werde – mit unklarem Ausgang.

Die nächste wichtige Rede von Draghi steht bei der Jackson Hole Konferenz der US-Notenbank am 24. bis 26. August auf der Tagesordnung. Vor drei Jahren hatte Draghi die Märkte an gleicher Stelle auf das aktuelle Anleihekaufprogramm vorbereitet. Die vorsichtigen Äußerungen von Draghi auf der Pressekonferenz deuten darauf hin, dass die Notenbank einen erneuten Aufruhr an den Finanzmärkten verhindern möchte. Man gewinnt den Eindruck, dass die EZB Angst davor hat, dass sich die Markterwartungen verselbständigen. Ein zu starker Renditeanstieg soll auf jeden Fall vermieden werden. Dabei könnte sich das Muster von „dovishen“ EZB-Sitzungen und dazwischen forscheren Reden fortsetzen, um die Märkte langsam auf einen Ausstieg vorzubereiten.

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Ein Kommentar

Helmut Flügger

Ich verstehe einerseits ist das Dilemma der EZB, andererseits ist es fraglich, ob billiges Geld den
südeuropäischen Ländern über so lange Zeit wirklich hilft. Nach m.M. muß das politische Ziel sein,
den fälligen Richtungswechsel auch langsam zu realisieren, um so zu erwirken, daß sich auch in den Köpfen etwas tut. Die fortwährende Überdosierung wirkt hilflos und zunehmend unglaubwürdig.

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