„Faule Kredite“ bremsen Kreditvergabe und verstopfen geldpolitischen Zinskanal

Die Kreditvergabe im Euroraum hat sich zuletzt insgesamt positiv entwickelt. So wuchsen die Firmenkundenkredite der Banken von Ende Mai 2016 bis Ende Mai 2017 um 2,4 Prozent. Die Erholung der Kreditmärkte verschafft den Eindruck, dass der geldpolitische Zinskanal immer besser in Fluss kommt. Allerdings entwickeln sich die Kredite in sehr unterschiedlichem Tempo: Schrumpfenden Kreditbeständen in einigen südlichen Ländern sowie Irland und den Niederlanden steht ein starkes Kreditwachstum in anderen Ländern gegenüber.

Neben konjunkturellen Gründen sind die extrem hohen Bestände „fauler Kredite“ in Griechenland, Zypern, Portugal, Italien und Irland für die Schwäche nationaler Kreditmärkte verantwortlich. Das behindert nicht nur die Investitionen, sondern verstopft auch den Zinskanal in den betroffenen Staaten. Dadurch steht die EZB vor besonderen Herausforderungen: Während die geldpolitische Stimulanz in einigen Ländern kaum greift, ist die Hebelwirkung in anderen regionalen Märkten umso stärker – mit der Gefahr einer Überhitzung vor allem bei Immobilien.

Akuter Handlungsbedarf in punkto faule Kredite besteht also nicht nur aufgrund der Risiken für die Finanzmarktstabilität, sondern auch um eine gleichmäßigere Wirkung der Geldpolitik zu gewährleisten. Dabei zielt der jetzt von den EU-Finanzministern vorgelegte Aktionsplan grundsätzlich in die richtige Richtung – auf einen zügigen, aber nachhaltigen Abbau notleidender Forderungen. Dafür sind jedoch keine europaweiten restriktiven Kreditvergabebestimmungen und erweiterten Meldevorschriften notwendig. Wenn verschärfte Regeln mit der Gießkanne über Europa ausgeschüttet werden, können sie mehr Schaden anrichten als sie nützen. Vor allem in Ländern, in denen Banken sehr verantwortungsvoll Kredite vergeben und die wenig faule Kredite haben, besteht die Sorge, dass neue Regeln die Kreditvergabe unnötig behindern. Vielmehr gilt es, in betroffenen Ländern auf nationaler Ebene notwendige Korrekturen an der Bankgesetzgebung und am Insolvenzrecht vorzunehmen. Bei Bedarf sind die EZB bzw. die nationale Aufsicht gefordert, individuell einzugreifen, bevor sich ein von der Bank nicht mehr zu beherrschender Berg an faulen Krediten auftürmt.

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