Die Unsicherheiten der Fed-Bilanzreduktion

Mit der gestrigen FOMC-Sitzung ist klar, dass die US-Notenbank wohl relativ bald den Startschuss für die Bilanznormalisierung geben wird. Dies dürfte im September geschehen, sollte das Erreichen der US-Schuldengrenze zu dieser Zeit keine zu große Unruhe stiften. Die Fed beteuert, dass die Verringerung der Bilanz sehr langsam vonstattengehen und es daher keine gravierenden Auswirkungen auf die Finanzmärkte geben wird. Trotz dieser Zusagen fragen sich einige Marktteilnehmer, ob die Reduzierung der Fed-Bilanz tatsächlich nur ein Sturm im Wasserglas sein wird, oder ob es nicht doch zu unvorhergesehenen Monsterwellen kommen könnte.

Im Rahmen einer Transparenzoffensive hat die Fed schon bekannt geben, in welchem Umfang sowohl US-Treasuries als auch Mortgage Backed Securities (MBS) abgebaut werden. Wenn gegen Ende 2021 eine optimale Bilanzhöhe von rund 2.000 bis 2.500 Mrd. US-Dollar erreicht sein wird, dürfte die Fed die Bestände von MBS weiter verringern. Damit in diesem Rahmen nicht die Bilanz weiter schrumpft, wird sie zum Ausgleich US-Treasuries kaufen. So wollen die Währungshüter mittelfristig zu einem ausschließlich aus US-Treasuries bestehenden Portfolio zurückkehren. Die Summe der fällig werdenden Wertpapiere fällt von Monat zu Monat sehr unterschiedlich aus. Wird in einem Monat nur ein geringer Betrag an Wertpapieren fällig, muss die Fed, um ihre angekündigte Bilanzreduktion zu erreichen, Wertpapiere aktiv verkaufen.

Die restriktive Wirkung der angekündigten Bilanzreduktion (jährlich 600 Mrd. US-Dollar) dürfte das weitere Tempo der Leitzinserhöhungen beeinflussen. Auf Basis einer Studie der Kansas City Fed würde eine Reduktion der Fed-Bestände um jährlich 675 Mrd. US-Dollar etwa zwei Leitzinserhöhungen von 25 Basispunkten pro Jahr entsprechen – die Geldpolitik würde mit der Bilanznormalisierung zusammen mit den eigentlichen Leitzinserhöhungen merklich gestrafft. Die Fed hofft darauf, dass sich der Bilanzabbau für die Märkte vorhersehbar und im Zeitlupentempo gestaltet. Allerdings könnte dieser Plan angesichts der ökonomischen, finanziellen und politischen Gegebenheiten und mit Blick auf die zum Abbau erforderliche Zeitspanne auch deutlich turbulentere Züge annehmen.

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