Der Euro steigt und steigt… was bedeutet das für die deutsche Konjunktur?

Der Euro hat derzeit kräftig Aufwind. Aktuell nähert er sich gegenüber dem US-Dollar der Marke von 1,20 EUR-USD, seit Jahresanfang 2017 hat er gegenüber dem Dollar mehr als 13 Prozent zugelegt. Auch gegenüber anderen wichtigen Währungen wie dem Schweizer Franken oder dem japanischen Yen zeigt sich der Euro derzeit von seiner starken Seite. Was bedeutet die aktuelle Euro-Stärke für die europäische und besonders die deutsche Konjunktur?

Zunächst muss man bei dieser Betrachtung festhalten, dass sich der Euro zu Jahresbeginn 2017 auf einem sehr niedrigen Niveau bewegte. Gegenüber dem US-Dollar stand er Anfang Januar bei rund 1,05 EUR-USD, das war der niedrigste Wert seit rund 15 Jahren. Seit seiner Einführung 1999 notierte der Euro-Kurs im Vergleich zum US-Dollar durchschnittlich bei 1,21 Dollar pro Euro, also noch leicht höher als aktuell. Daher wäre es wohl richtiger zu sagen, dass der Euro derzeit eine Schwächephase beendet, als dass er bereits besonders stark ist.

Die Euro-Aufwertung der letzten Monate geht sicherlich maßgeblich auf die Verbesserung der europäischen Konjunkturaussichten zurück. Die Stimmungsindikatoren für Unternehmen und private Haushalte befinden sich sowohl in Deutschland als auch im gesamten Euro-Raum derzeit nahe ihren historischen Rekordständen und das Wachstum ist so robust wie schon länger nicht mehr.

Insofern hat die Aufwärtsentwicklung beim Euro durchaus eine fundamentale Begründung. Mögliche Nachteile, die Unternehmen durch den höheren Wechselkurs im Auslandsgeschäft entstehen, können durch größeres Wachstum der Absatzmärkte tendenziell ausgeglichen werden. Denn nicht nur in Europa, sondern in vielen Regionen der Welt läuft die Konjunktur seit dem letzten Herbst wieder merklich besser.

Für die deutschen Unternehmen gilt: Mehr als ein Drittel ihrer Exporte gehen in andere Euro-Länder. Hier spielt der Wechselkurs keine Rolle und die deutschen Exporteure können vom Aufschwung des Euro-Raums profitieren. Per Saldo haben sich aus unserer Sicht die Perspektiven für den deutschen Exportsektor seit Jahresanfang 2017 eher verbessert. Zwar bremst der höhere Euro-Kurs zweifellos auf einigen Auslandsmärkten, die globale Konjunkturerholung und besonders die wirtschaftliche Verbesserung in Europa überwiegen jedoch mit ihren positiven Effekten.

04.08.2017

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