EZB-Käufe sorgen für steigende Target-2-Salden

In den vergangenen Monaten sind die Target-2-Salden der verschiedenen Länder der Eurozone weiter auseinandergedriftet. Seit Anfang dieses Jahres haben sich die Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB als zentraler Gegenpartei des Target-2-Systems um etwa 61 Mrd. Euro auf gegenwärtig rund 856 Mrd. Euro (Stand Juli) erhöht. Neben Deutschland weisen, wenn auch in deutlich geringerem, aber dennoch bedeutendem Umfang, derzeit Luxemburg, Finnland und die Niederlande positive Target-Salden aus. Die Target-2-Forderungen der genannten Länder summieren sich per Juni auf etwa 1.186 Mrd. Euro und liegen damit nur leicht unterhalb des im Vormonat markierten Rekordniveaus von 1.214 Mrd. Euro. Im Gegenzug haben insbesondere Notenbanken der europäischen Peripherie in erheblichem Umfang Verbindlichkeiten gegenüber dem Eurosystem angehäuft. Spitzenreiter im negativen Sinne ist derzeit Italien mit Verbindlichkeiten im Volumen von 413 Mrd. Euro. Dicht dahinter folgt Spanien mit einem negativen Saldo von 371 Mrd. Euro.

Auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise waren die ansteigenden Target-2-Salden ein Spiegelbild dafür, dass der Bankensektor der Peripherie aufgrund eines versiegenden Zustroms an privatem Kapital zusehends auf Zentralbankliquidität angewiesen war. Vor diesem Hintergrund war die Entwicklung der Target-2-Salden in der Vergangenheit ein bedeutender Krisenindikator für Verspannungen im europäischen Bankensystem. Im aktuellen Umfeld können die Nachwehen der Bankenkrise den abermaligen Anstieg der Salden nicht allein erklären. So ist festzustellen, dass spanische und italienische Geschäftsbanken in erheblichem Umfang Liquidität bei ihrer jeweiligen Notenbank parken. Dies spricht gegen die These, dass primär eine anhaltende Kapitalflucht aus den Ländern der europäischen Peripherie den derzeitigen Anstieg der Target-2-Salden begründet. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der gegenwärtige Anstieg der Target-2-Salden auch in einem direkten Zusammenhang mit dem seit März 2015 andauernden Anleiheankaufprogramm der EZB steht. So geht der Anstieg der positiven Target-Salden in den Ländern Deutschland, Finnland, Luxemburg und den Niederlanden vergleichsweise eng mit einem Anwachsen des EZB-Anleiheportfolios einher.

Eine Möglichkeit, wie das Anleiheankaufprogramm zum Auseinanderdriften der Target-2-Salden beiträgt, zeigt sich am folgenden Beispiel: Erwirbt die im Auftrag der EZB agierende italienische Notenbank italienische Staatspapiere nicht von einer einheimischen, sondern von einer deutschen Geschäftsbank, hat dies eine direkte Wirkung auf die Target-2-Salden, da die Gutschrift der Zentralbankliquidität grenzüberschreitend erfolgt. Die Bundesbank würde eine steigende Target-2-Forderung, die italienische Notenbank eine höhere Target-2-Verbindlichkeit verbuchen.

Ein weiterer Faktor, welcher grundsätzlich Einfluss auf die Target-2-Salden nimmt, sind Anleihekäufe von Geldinstituten mit Sitz außerhalb der Eurozone. In diesem Zusammenhang ist es für die Entwicklung der Target-2-Salden entscheidend, über welche nationale Notenbank der internationale Geschäftspartner an das Target-2-System angebunden ist. Führt das internationale Geldinstitut beispielsweise ein Konto bei der Bundesbank, würden Anleihekäufe anderer Zentralbanken des Eurosystems zu Zuflüssen bei der Bundesbank führen und deren Target-2-Forderung ansteigen lassen.

Letztlich spiegelt sich im Auseinanderdriften der Target-2-Salden die unterschiedliche Verteilung der durch die EZB in den Markt gepumpten Zentralbankliquidität wider. In einer Währungsunion sollte diese Fragmentierung zwischen den einzelnen Euroländern allerdings weniger ausgeprägt sein. Die Anzeichen einer zusehends in Tritt kommenden europäischen Konjunktur könnten Investoren dazu bewegen, wieder Vertrauen in die europäische Peripherie zu gewinnen. Dies und das sich mittelfristig abzeichnende Zurückfahren der EZB-Anleihekäufe könnten das Auseinanderdriften der Target-2-Salden perspektivisch verlangsamen oder sogar gänzlich stoppen.

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Ein Kommentar

der der immer lacht

der hammer … bei clearing systemen gibts ein datum da muß alles ausgeglichen sein – na klar sind die davon ausgegangen das es die eu immer gibt – eine maximale höhe wäre gut gewesen – mir muß auch mal einer erklären warum die anleihekäufe der ezb deutschlands target2 belasten – das ginge ja nur wenn die ezb die erlaubnis hat anleihen auf deutschlands deckel zu schreiben – es müßte ja eher so sein das alle eu bzw euro länder dafür grade stehen – wenn man das monatlich gecleart hätte gäbe es auch kein handelsdefizit da deutschland genötigt gewesen wäre schon früher einkaufen zu gehen in italien oder grichenland – man hätte nicht viel bekommen 🙂 nu wirds noch weniger – das mit dem staatsfond und gute unternehmen in grichenland und italien aufkaufen ist eine gute idee 🙂 freu mich schon wie bolle wie die italiener oder griechen darauf reagieren würden – schön ist auch das immer das beispiel mit dem griechen gebracht wird der was in berlin kauft – ganzen deutschen die in spanien und italien imobilien gekauft haben müsst es ja anders aussehen – ich bin schon für solidarität so ist es nicht – aber wenn ich merke das ich ausgenutzt werde – dann bleibts – so richtig kann ich nicht mehr dran glauben das die eu zusammen bleibt – man muß den kleinen leuten nur noch einen grund geben dann marschieren die auch wieder – die meißten sind eh zu blöd zum denken

ich fände es gut im welthandel um das handelsdefizit zu clearen zwangseingekauft werden muß – könnte man mal drüber nachdenken – firmenkäufe so wie china das in deutschland macht könnten zum ausgleich beitragen – ist auch eine clevere strategie der chinesen – trägt natürlich nicht zu deren beliebtheit bei – trumpi beschwert sich ja – wäre zu geil wenn die chinesen anfangen im großen still amerikanische unternehmen aufzukaufen – da kneift der ami aber den schwanz zusammen und sagt ist national relevant – verrückte welt

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