Fed und EZB: Widerspruch von Denken und Handeln

Die Geldpolitik soll restriktiver werden. Dies scheint das Ziel der amerikanischen Notenbank und der EZB zu sein. Die EZB wird wohl schon bald eine Reduzierung ihrer Anleihekäufe bekannt geben, während die Fed ihre Bilanz reduzieren sowie gegebenenfalls weitere Leitzinserhöhungen vornehmen wird. Obwohl diese Maßnahmen unzweifelhaft von den Marktteilnehmern erwartet werden und sich auch in Reden von verschiedenen Währungshütern widerspiegeln, scheint bei beiden Zentralbanken eine klare Kommunikationsstrategie zu fehlen. So haben es sich die Notenbanker zur Gewohnheit werden lassen, die Risiken für die Wirtschaft in den schillerndsten Farben auszuschmücken. Das jüngst veröffentlichte Protokoll der EZB hebt beispielsweise die Risiken eines möglichen Überschießens des Euro deutlicher hervor als in der Vergangenheit. Ein starker Euro könne sich negativ auf die Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft auswirken. Auch das Thema Inflation wurde auf dem jüngsten Treffen der europäischen Geldpolitiker intensiv diskutiert. So gebe es immer noch keine überzeugenden Anzeichen dafür, dass die Inflation in den kommenden Monaten an Dynamik gewinnen werde. Außerdem seien die Risiken für die Weltkonjunktur abwärts gerichtet. Ähnlich pessimistisch äußerten sich die Fed-Währungshüter im Rahmen ihres geldpolitischen Treffens am 25./26. Juli. So haben die Minutes der letzten FOMC-Sitzung eine zunehmende Besorgnis der Notenbanker über den Rückgang der Inflation gezeigt. Es besteht die Gefahr, dass die Inflation für längere Zeit unterhalb der Fed- Zielmarke bleiben wird. Zusammengefasst betrachtet, passt dies eigentlich so gar nicht zu der andererseits geschürten Erwartung, bald einen weniger expansiven Kurs einschlagen zu wollen.

Werden also die angeführten Risiken, insbesondere bezüglich der Inflationsentwicklung, die Geldpolitiker von einer Verringerung des Expansionsgrades der Geldpolitik abhalten? Im Grunde genommen liegen die Inflationsraten schon seit mehreren Jahren unterhalb der Zielwerte der Notenbank. Von daher ist davon auszugehen, dass die im Raum stehende Abkehr von der ultra-lockeren Geldpolitik auch durchgeführt wird. Der Wille, die Geldpolitik zu verändern, scheint trotz der niedrigen Inflation zu dominieren. Auch wenn die EZB momentan die Inflationsschwäche hervorhebt, dürfte Draghi im Herbst eine Modifikation der Anleihekäufe bekannt geben, während die Fed ihre Bilanzreduktion angeht. Zu diesem Zeitpunkt wird die Inflation immer noch weit vom Zielwert der EZB und der Fed entfernt liegen, was eigentlich ein Widerspruch ist. Die aktuell sehr intensiven Diskussionen über die Risiken lassen den Schluss zu, dass sich die Währungshüter zwar recht unsicher, aber frommer Hoffnung sind, dass sie ihre Vorhaben ohne negative Folgen für die Finanzmärkte angehen können. Mit den derzeitigen Unklarheiten in der Kommunikationsstrategie erreichen sie dies aber nicht.

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