Regulierung ist gut für expansive Geldpolitik – wirklich?

Ende vergangener Woche waren alle Augen auf das jährlich stattfindende Symposium der Federal Reserve Bank of Kansas City gerichtet. Bei der Konferenz in Jackson Hole haben die weltweit wichtigsten Notenbankvertreter teilgenommen. Die Marktteilnehmer hatten sich insbesondere weitere Informationen über den geldpolitischen Kurs in den Vereinigten Staaten und in der Eurozone erhofft, denn schon in der Vergangenheit wurde die Konferenz dazu genutzt, neue geldpolitische Signale zu senden. Dieses Mal haben es die Notenbanker jedoch vermieden zur aktuellen Geldpolitik Stellung zu nehmen. Dennoch kann ein wichtiger Schluss aus dem diesjährigen Währungshüter-Treffen gezogen werden: Die Geldpolitik bleibt vorerst expansiv und damit werden auch die Kapitalmarkrenditen bis auf weiteres niedrig bleiben.

Dass Draghi keine neuen Informationen im Koffer hatte, bedeutet nicht zuletzt, dass die EZB es nicht eilig hat, einen Plan zum Abbau der Anleihekäufe zu präsentieren. Dies war vor drei Jahren bei der Ankündigung des umfassenden Kaufprogramms noch anders. Damals war Eile geboten und der oberste europäische Währungshüter wollte zudem einen gewissen Druck für geldpolitische Maßnahmen im EZB-Rat aufbauen. Bei der Rückführung der Anleihekäufe wird die EZB dagegen wohl sehr langsam und bedacht vorgehen. So befürchtet der EZB-Rat eine zu hohe und restriktiv wirkende Finanzmarktvolatilität und – wie aus dem letzten Sitzungsprotokoll hervorgeht – ein mögliches Überschießen des Euro.

Die Fed-Chefin Yellen hat, ebenso wir Draghi, in ihrer Rede die Bedeutung der Finanzmarktregulatorik hervorgehoben. So wurde die Regulierung des Finanzmarktsektors nach der schweren Wirtschafts- und Finanzmarktkrise von 2007/2008 deutlich verschärft. Hintergrund dieser Maßnahmen war es, das Finanzsystem robuster zu machen und der Bildung von neuen Blasen, die die Finanzmärkte in Turbulenzen stürzen könnten, entgegenzuwirken. So warnte Yellen davor, die Lehren aus der jüngsten Finanzmarkkrise zu vergessen. Die Fed und auch die EZB konnten in den vergangenen Jahren die extrem expansive Geldpolitik nur vor dem Hintergrund einer strengeren Finanzmarktregulierung durchführen, da diese Übertreibungen entgegenwirkte. Sollten die regulatorischen Maßnahmen nun gelockert werden, könnte die anhaltend lockere Geldpolitik die Finanzmarktstabilität gefährden. Die Notenbanken müssten in einem weniger streng regulierten Umfeld deutlich schneller eine Umkehr zu einer weniger expansiven oder gar restriktiven Geldpolitik vollziehen. Die Währungshüter plädieren letzten Endes dafür, mit branchenspezifischen Regulierungen Finanzmarktrisiken präziser entgegenzuwirken und nicht mit breit wirkenden Leitzinsänderungen. Solange jedoch ein strikteres Regelwerk für die Banken gilt, haben die Notenbanken den Spielraum, den Expansionsgrad nur langsam zu reduzieren beziehungsweise bleibt ein strukturell niedriges Zinsniveau erhalten. Dabei müssen sich die Währungshüter aber auch im Klaren sein, dass Regulierung letztlich Wachstum und Inflationsdynamik kostet und die Notenbanken aufgrund der anhaltenden Inflationszielverfehlung ihre Glaubwürdigkeit immer weiter erodieren. Währenddessen nimmt die Lenkungsfunktion des Zinses immer weiter ab und die Fehlallokation von Kapital zu.

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