Globalisierung kann nicht gerecht sein – schafft aber mehr Wohlstand

 

Globalisierung – über kein anderes Thema wird so heftig und so emotional gestritten. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen meist zwei Fragen: Kann Globalisierung gerecht sein? Und: Verbessert die Globalisierung unseren Wohlstand? Die ehrliche Antwort auf die erste Frage heißt: Nein. Und die Antwort auf die zweite Frage: Ja. Warum ist das so?

Die Wohlstandsunterschiede zwischen Schwellenländern und Industrieländern haben sich innerhalb relativ kurzer Zeit erheblich angenähert. Diese Entwicklung wurde von einem weit überdurchschnittlichen Wachstum in den Schwellenländern getragen. Das Wachstum wiederum wurde durch starke Lohnunterschiede und einer entsprechenden Verlagerung der arbeitsintensiven Prozesse von den Industrieländern in die Schwellenländer ausgelöst, dabei war das Wirtschaftsmodell der Schwellenländer stark exportgetrieben und weniger abhängig von der Binnenwirtschaft.

Wenn die Schwellenländer durch die Verlagerung von bestimmten Arbeitsprozessen aus den Industrieländern einen solchen Aufschwung nehmen, dann hat dies auch sozialpolitische Folgen in den Industrieländern. Die Arbeiter, die bislang die arbeitsintensiven Prozesse erbracht haben sind unmittelbar betroffen. Die Lohnunterschiede waren zu groß, als dass man durch eine weitere Prozessoptimierung die Arbeitsplätze in den Industrieländern hätte halten können. Dies führte schließlich zu höherer Arbeitslosigkeit und einer gefühlten sozialen Ungerechtigkeit. Die Ungerechtigkeit der Globalisierung liegt also im Prozess der Globalisierung selbst.

Diese Ungerechtigkeit kann jedoch durch nationale Politik in den Industrieländern ausgeglichen werden. Auf die betroffenen Bevölkerungsteile ausgerichtete Maßnahmen, wie Umschulungen und weitere spezielle Förderungen sind hier wichtige Instrumente.

Den Prozess selbst kann man aber nicht verhindern, außer man untersagt generell die Verlagerung von Produktionsteilen. Deshalb ist die Globalisierung ungerecht. Denn der Wohlstandsgewinn in den Schwellenländern geht zu Lasten bestimmter Gruppen von Arbeitern in den Industrieländern. Jedoch hat die nationale Politik Möglichkeiten dies anzugehen und die negativen Folgen zu mildern.

Die Globalisierung bringt aber zugleich auch hohe Wohlstandsgewinne in die Industrieländer. Denn durch die Verlagerung der arbeitsintensiven Prozesse in lohnkostengünstigere Länder sinken die Herstellungskosten der Produkte. Wir erlebten eine Phase von sehr niedriger Inflation bei sehr stabilen und hohen Wachstumsraten. Das nennt man ein sogenanntes „Goldilock Szenario“. Wegen der moderaten Inflation stieg die reale Kaufkraft der Konsumenten und die Binnenwirtschaft in den meisten Industrieländern nahm deutlich an Dynamik zu, wie zum Beispiel in den USA.

Länder wie Deutschland konnten ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern und das exportgetriebene Wachstumsmodell profitierte kräftig. Dabei machte sich natürlich auch die Spezialisierung der deutschen Industrie auf Investitionsgüter positiv bemerkbar. Ebenfalls durch die moderate Inflation war es den Zentralbanken möglich die Zinsen über einen langen Zeitraum abzusenken. Die Folge war ein Sinken des globalen Renditeniveaus. Hiervon profitierten Investitionen, der private Konsum aber vor allem der Immobilienmarkt. Dies ging natürlich einher mit einem kräftigen Anstieg der privaten Verschuldung, was letztendlich in der Finanzkrise von 2007 endete.

Globalisierung geht also einher mit sozialen Ungerechtigkeiten in den Industrieländern, die man aber auf nationaler Ebene angehen kann und muss. Die Wohlstandsgewinne in den Schwelle- und Industrieländern sind enorm und überwiegen die ungünstigen Folgen bei weitem. Die langfristigen Folgen sind daher äußerst positiv zu bewerten.

Die ehemaligen Schwellenländer steigen langsam auf in die Riege der Industrieländer und bauen ihr Wirtschaftsmodell um, hin zu einem binnenwirtschaftlich getragenen Wirtschaftsmodell. Zudem mindert ein höheres Wohlstandsniveau in den Schwellen und Industrieländern den Migrationsdruck. Insbesondere in den letzten Jahren ein wichtiges Thema. Alles dies spricht aus meiner Sicht für mehr Freihandel und nicht für weniger. Ausgrenzung schadet allen.

 

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