EZB verschiebt die Entscheidung über das Kaufprogramm auf Oktober

Mit Blick auf das heutige Zusammentreffen der europäischen Währungshüter ist eine Überraschung ausgeblieben. Die Ratsvertreter haben keine Änderungen bei den Leitzinsen oder dem Anleiheankaufprogramm (APP) beschlossen. Dies war im Vorfeld auch von der Mehrzahl der Finanzmarktakteure so erwartet worden. Bezüglich der Forward Guidance für das APP gab es allerdings Spekulationen, wonach die Möglichkeit für eine erneute Aufstockung der Anleihekäufe gestrichen werden könnte. Die EZB-Vertreter haben aber entscheiden, das einleitende Statement im Vergleich zur Juli-Sitzung gänzlich unverändert zu belassen.
Als Reaktion auf die in den vergangenen Monaten zu beobachtende Aufwertung der europäischen Einheitswährung hat Draghi im Wörterbuch seines Vorgängers Trichet nachgeschlagen und angemerkt, dass die Volatilität des Euro eine Quelle für Unsicherheit sei. Vor diesem Hintergrund müsse die weitere Entwicklung „beobachtet“ werden. In einer ersten Reaktion hat sich die europäische Devise von der Warnung Draghis weitestgehend unbeeindruckt gezeigt und pendelt weiter um die Marke von 1,20 USD. Im Rahmen der Pressekonferenz hat der Notenbankchef die überarbeiteten Projektionen zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung vorgestellt. Hinsichtlich der Wachstumsperspektiven zeigen sich die Notenbank-Oberen zusehends optimistisch. Diese Zuversicht spiegelt sich auch in der deutlich angehobenen Wachstumsprojektion für das laufende Jahr wider (2,2%). Ungeachtet dessen bleibt der Ausblick für die Teuerungsentwicklung gedämpft. Mit dem Verweis auf die Aufwertung des Euros haben die EZB-Stabsmitarbeiter die Inflationsprojektionen für 2018 und 2019 um jeweils 0,1 Prozentpunkte nach unten revidiert.
Draghi zufolge haben die Währungshüter heute nur sehr grundlegend über den Fortgang des APP diskutiert. Eine Entscheidung über den Großteil der Modalitäten werde im Oktober erfolgen. Da der Notenbankchef mehrfach hervorgehoben hat, dass es auf absehbare Zeit einer akkommodierenden Geldpolitik bedarf, ist zur nächsten Ratssitzung nicht mit einem abrupten Kurswechsel der Notenbank zu rechnen. Zumindest wurde nicht besprochen, Programmbedingungen so anzupassen, dass das ESZB noch mehr Spielraum für eine größere Verlängerung bekäme. Wir gehen davon aus, dass zu Beginn des kommenden Jahres die monatlichen Anleihekäufe bei konstantem aber leicht vermindertem Volumen bis Mitte 2018 verlängert werden. Das APP als solches dürfte erst Ende 2018 beendet werden.

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