US-Tropenstürme: Mögliche wirtschaftliche Auswirkungen

In den Vereinigten Staaten sind die Zerstörungen, durch die beiden Tropenstürme „Harvey“ und „Irma“ noch nicht vollständig absehbar. Daher ist es noch zu früh für eine genaue Analyse der ökonomischen Auswirkungen der Stürme, doch lassen sich bereits jetzt einige mögliche Schlussfolgerungen ziehen. Insgesamt zeigt die Erfahrung, dass sich Naturkatastrophen (Hurrikans „Katrina“ 2005 und „Sandy“ 2012) nur kurzfristig auf das Wirtschaftswachstum auswirken und dass unmittelbar nach einem Sturm auftretende Einbrüche in der Regel durch nachfolgende Wiederaufbaumaßnahmen wieder aufgeholt wurden. Kurzfristige negative volkswirtschaftliche Konsequenzen sind jedoch zu erwarten, insbesondere aufgrund der dichten zeitlichen Abfolge von „Harvey“ und „Irma“ sowie der Tatsache, dass mit Texas und Florida gleich zwei wichtige Regionen betroffen sind.

Durch den Hurrikan „Harvey“, der mit Houston die viertgrößte Stadt der USA getroffen hat, sind auch viele Ölraffinerien betroffen. Der Rohölpreis ist im Nachgang des Hurrikans „Harvey“ von unter 46,0 auf 48,5 US-Dollar je Barrel angestiegen. Der Hurrikan „Irma“ schwächte sich ab, nachdem er an der Westküste von Florida auf Land getroffen war. Derzeit wird davon ausgegangenen, dass rund drei Millionen Bewohner Floridas keinen Strom haben. Die Belieferung der Tankstellen wurde eingestellt, so dass rund 6.000 Stationen geschlossen sind. Der Tropensturm hat auch Auswirkungen auf die Getreideernte. Vorübergehend könnte es zu einem Anstieg der Inflation kommen, da insbesondere der Hurrikan „Harvey“ wichtige Teile der US-Energieinfrastruktur getroffen hat. So sind die durchschnittlichen Kosten für Benzin um rund 14% in die Höhe geschnellt. Die Ernteausfälle könnten zudem vorübergehend die Nahrungsmittelpreise in die Höhe steigen lassen. Diese Verteuerung der Preise dürfte jedoch von den Notenbanken nicht für geldpolitische Entscheidungen herangezogen werden, da sie wohl temporär sind, zumal die Auswirkungen auf die Kernrate wohl begrenzt sein dürften.

Für die Fed dürfte wichtig sein, dass sich auf kurze Sicht der erwartete Verlust von Arbeitsplätzen und der parallel dazu erfolgende Anstieg bei den Energiepreisen maßgeblich auf die privaten Haushaltsausgaben und damit auf den privaten Konsum niederschlägt. Der jüngste Anstieg Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützungzeigt, dass „Harvey“, der am 25. August die US-Küste erreicht hatte, zumindest kurzfristig zu einem Rückgang der neugeschaffenen Stellen und damit zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote führen dürfte. Bei der kommenden Veröffentlichung am 14. September dürften die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung aufgrund von zwei Aspekten nochmals stark ansteigen. Zum einen dürften die Erstanträge nach „Harvey“ zunächst nur zögerlich eingehen, da die vom Hurrikan Betroffenen zunächst versuchen, der Katastrophe Herr zu werden. Zum anderen dürfte der Hurrikan „Irma“ die Erstanträge nochmals stark ansteigen lassen. Insgesamt waren aufgrund von „Irma“ rund 6 Millionen Menschen aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.

Zusammengenommen könnten durch die Hurrikane angerichteten Schäden insbesondere die Wachstumsaussichten kurzfristig beeinträchtigen. Zumindest ist die Gefahr einer konjunkturellen Beeinträchtigung nicht komplett von der Hand zu weisen. Verschiedene Schätzungen rechnen mit einer Beeinträchtigung von rund 0,4 bis 0,6 Prozentpunkten. Es bleibt damit die Frage, ob die Zentralbank der erwarteten Schwäche im dritten Quartal mit einer länger anhaltenden Pause im Zinserhöhungszyklus entsprechen wird. Diese Möglichkeit lässt sich nicht ausschließen. Eine Leitzinserhöhung im Dezember dieses Jahres ist damit unwahrscheinlicher geworden. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass die Fed bei größeren Unsicherheiten und Risikoereignissen (bspw. Brexit) angedeutete Leitzinsschritte verschiebt.

Nicht zuletzt dürften die beiden Tropenstürme Auswirkungen auf den US-Staatshaushalt haben. So ist nur ein Teil der Schäden versichert. Die US-Regierung hatte schon Milliardenhilfe für die Opfer des Wirbelsturms „Harvey“ zugestimmt. Da die Schuldenobergrenze jedoch bereits Mitte Dezember wieder greift, könnten zusätzliche Hilfen für die Opfer von „Irma“ zu deutlich höheren Ausgaben führen. In diesem Umfeld wird es für den Präsidenten Trump zunehmend schwieriger, eine Steuerreform durchzusetzen, zumal die Finanzierung dieser Reform wohl den Staatshaushalt weiter belasten würde. Frühestens mit der erneuten Diskussion über die Schuldenobergrenze ab Anfang Dezember dürfte der Spielraum bestehen, die Finanzierung der Steuerreform in Angriff zu nehmen. Positive Impulse für die Wirtschaft sind dann frühestens im kommenden Jahr zu erwarten. Dementsprechend besteht eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass das US-Wachstum im vierten Quartal eine Delle bekommen wird.

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