Angst vor Crashes & Blasen hemmt Anleger – zu Unrecht

Fragt man einen erfahrenen Kapitalanleger, was ihm spontan zu den Ereignissen am Aktienmarkt in den 80er Jahren einfällt, käme vermutlich „Der Oktober-Crash von 1987“ als Antwort zurück. Anleiheinvestoren, die an die 90er-Jahre denken, erwähnen häufig den Crash am Bondmarkt 1994. Lohnt sich eine Geldanlage in den Emerging Markets? – Eine Währungskrise wie 1997 könnte drohen. Tech-Aktien um die Jahrtausendwende? – Wilde Träume über die Möglichkeiten der Internetwelt mit anschließendem Crash. Finanzkrise und Lehman-Pleite 2008? – Banker, die Kartons aus einem Hochhaus tragen, Börsencrash inklusive.

Selbst Anlegern, die nicht unmittelbar an genannten Ereignissen beteiligt waren (z.B. Millennials), werden diese immer wieder vorgeführt. Fernsehbilder und Zeitungsberichte zu Jahrestagen oder Interviews sorgen dafür, dass sich bei vielen Anlegern und Nichtanlegern diese Erinnerungen zwischenzeitlich fest in den Hirnsynapsen verewigt haben.

Tatsächlich haben sich DAX und S&P 500 in den „schlimmen“ 80er-Jahren verdrei- und vervierfacht. In den 90er-Jahren lief es sogar noch besser, bevor mehrere enttäuschende Jahre nach der Jahrtausendwende kamen. Seit Anfang der 70er haben sich deutsche Aktien um den Faktor 26 vervielfacht, beim S&P steht heute inklusive Dividenden sogar das 125-fache des Einsatzes zu Buche. Dies entspricht jährlichen Renditen von 7,2% (DAX) beziehungsweise 10,8% (S&P 500). Langfristig kann keine andere Anlageklasse eine ähnlich gute Wertentwicklung aufweisen. Auch die in den 90er-Jahren zwischenzeitlich taumelnden Anleihen- und Emerging Markets-Märkte wiesen seither ebenfalls hohe Erträge auf, entwickelten sich teilweise sogar besser als Aktien.

Die eingangs erwähnten Crashes in den vergangenen dreißig Jahren Kapitalmarktgeschichte waren im Rückblick oft nicht mehr als Anekdoten, die, mit Ausnahme des Crashes 2008/09, keine dramatischen Folgen für die mittelfristige realwirtschaftliche Entwicklung der großen Industriestaaten hatten.

An den globalen Aktienmärkten gibt es, ähnlich wie auch an den globalen Immobilienmärkten, temporär immer wieder Übertreibungen. Eine breite Blase, „Milchmädchenhausse“, oder ähnliches gibt es am Aktienmarkt jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Deutsche Anleger scheinen sich unverändert schwer zu tun, Kapital bei einem aktuellen DAX-KGV von 12,5 Punkten in Aktien umzuschichten. Eine marktbreite Euphorie sieht anders aus.

Privatanleger haben gegenüber professionellen Investoren den Vorteil, dass sie keinen jährlich abgrenzbaren Anlageerfolg benötigen, sondern einen langfristigen, auch unter Berücksichtigung von Steuern und Inflation. Sie treten in der Regel zunächst über Jahrzehnte hinweg als Nettosparer auf und benötigen das Vermögen erst zu Rentenbeginn. Daher ist es gerade für Privatanleger eine gute Strategie, geduldig und regelmäßig am Aktienmarkt zu kaufen und die Angst vor Crashes und Blasen anhand anekdotischer „Evidenzen“ auszublenden.

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Ein Kommentar

Konsolidierungen sind Zeiten zum Zukauf, nicht zum Verkauf.

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