Fed bleibt auf Kurs

Die US-Währungshüter werden im Oktober damit beginnen, ihr 4.500 Mrd. US-Dollar großes Portfolio langsam zu reduzieren und damit die außergewöhnlichen Maßnahmen zurückzudrehen, die nach der schweren Finanzmarktkrise implementiert wurden. Außerdem prognostizieren die FOMC-Mitglieder eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr. Als Begründung gaben sie an, dass die Sturmschäden durch die schweren Hurrikans nur vorübergehende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werden. So könnte das Wirtschaftswachstum aufgrund der sturmbedingen Schäden zwar kurzfristig niedriger ausfallen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten jedoch, dass der Kurs der Volkswirtschaft mittelfristig kaum wesentlich beeinflusst werde. Insgesamt war das jüngste Treffen des geldpolitischen Rats der US-Notenbank deutlich hawkisher als von den Marktteilnehmern erwartet und es scheint als bleibe die Fed auf Kurs. Nichtsdestotrotz gewinnt man dabei den Eindruck, dass bei der Fed-Chefin eher der Wille vorherrscht, so weit wie möglich im Normalisierungsprozess der Geldpolitik voranzuschreiten.

Auf der Pressekonferenz gab Fed-Chefin Yellen zu Protokoll, dass die Bilanz kein Instrument sei, um in normalen Zeiten die Geldpolitik zu steuern. So sei eine Änderung im Prozess der Bilanznormalisierung nicht vorgesehen, es sei denn, unvorhergesehene Ereignisse würden dies zwingend erforderlich machen. Die oberste Währungshüterin betonte jedoch, dass die Fed präferiere, die Leitzinsen zu verändern, sollten sich die wirtschaftlichen Bedingungen eintrüben. Diese geldpolitische Maßnahme sei das Standardwerkzeug und die Währungshüter könnten die Wirkungen aufgrund größerer Erfahrung besser einschätzen. Nur wenn die Nullzinsgrenze erreicht werden sollte und die Wirtschaft darüber hinaus einen zusätzlichen Stimulus benötige, könne sie sich erneut eine Bilanzausweitung vorstellen. Was die Zinserhöhung im Dezember betrifft, so gab die Fed-Chefin zu, dass hierüber eine große Unentschiedenheit unter den FOMC-Mitgliedern herrsche. Zu den offenen Stellen im Gouverneursrat und zu der Frage, wie und wann diese wohl besetzt werden, gab sich Yellen sehr zuversichtlich. Bedeckt hielt sich die Fed-Chefin hingegen bei der Frage, wer demnächst Präsident(in) des obersten gelpolitischen Gremiums sein werde.

Die Ankündigung der Bilanzreduktion ist ein weiterer großer Schritt für die Fed-Chefin in Richtung Normalisierung der Geldpolitik. So hat Yellen schon das Ende der umfangreichen Anleihekäufe überwacht. Danach hat sie die Zinswende eingeleitet und die Leitzinsen auf ein deutlich höheres Niveau angehoben. Jetzt hat sie auch noch die Rückabwicklung des beispiellosen Bilanzaufbaus während der schweren Finanzmarktkrise eingeleitet. Alle geldpolitischen Maßnahmen sind ohne große Beeinträchtigung der Finanzmärkte umgesetzt worden. Sollte Yellen nicht für eine weitere Amtszeit nominiert werden, so hat sie ihren Schreibtisch für den Nachfolger gut aufgeräumt.

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