„Wollen Sie, dass Katalonien ein unabhängiger Staat in Form einer Republik wird?“

Am 1. Oktober wird über diese Frage in der spanischen Autonomiegemeinschaft Katalonien voraussichtlich eine Volksabstimmung abgehalten. Sehr zum Ärger der spanischen Zentralregierung. Diese versucht, das Referendum über eine Loslösung der wirtschaftsstärksten Region Spaniens mit allen Mitteln zu verhindern.

Katalonien ist eine der wirtschaftsstärksten Regionen Spaniens und muss im Zuge des innerspanischen Finanzausgleichs jährlich hohe Beträge an die Zentralregierung abführen. Verhandlungen über eine größere finanzielle Autonomie der Region haben in den letzten Jahren nicht zu Ergebnissen geführt.

Sollte die separatistische Bewegung einen Abstimmungserfolg vermelden, würde die Regionalversammlung binnen 48 Stunden die Unabhängigkeit ausrufen und eine verfassungsgebende Versammlung einberufen. Ein solches Ergebnis ist durchaus wahrscheinlich. Denn zum einem gibt es bei der Abstimmung kein Quorum, also keine Mindestbeteiligung. Zum anderen dürften viele Katalanen, die gegen die Abspaltung sind, gar nicht erst zur Wahl gehen.

Die Folgen einer faktischen Abspaltung wären wohl schwere konjunkturelle Verwerfungen im viertgrößten Euroland. Jedoch denke ich nicht, dass es zum Äußerten kommt. Zwar dürfte es im kommenden Referendum eine klare Mehrheit für eine Abspaltung geben und die Regionalversammlung wird dann den entsprechenden Prozess starten. Jedoch wird man diesen aus meiner Sicht nutzen, um die Autonomie von Katalonien neu zu verhandeln und zu stärken. Mit der Zustimmung im Referendum im Rücken kann die katalonische Regierung den Autonomiestatuts Kataloniens sicherlich im Verhandlungswege ausbauen. Insbesondere eine gestärkte Steuerautonomie im Sinne des Baskenlandes oder Navarra könnte hier das Ziel sein.

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