Britischer Wohnungsmarkt: Erstmals seit 8 Jahren sinken die Hauspreise in London

Normalerweise ist der Londoner Immobilienmarkt das Zugpferd des britischen Häusermarktes. Meist steigen die Preise hier schneller als im restlichen Königreich. Derzeit ist allerdings das Gegenteil der Fall. Das zeigt die September-Veröffentlichung des renommierten Preisindizes der Nationwide Building Society: Während die Hauspreise in London erstmals nach acht Jahren mit einem Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau leicht nachgaben, konnten sie in den übrigen britischen Regionen mit einer Jahresrate von bis zu 5 Prozent weiter steigen. Landesweit haben sich die durchschnittlichen Kaufpreise für Häuser und Wohnungen gegenüber September 2016 noch um 2,2 Prozent erhöht. Das wirft auch die Frage auf, ob die Preisentwicklung außerhalb Londons der britischen Hauptstadt in den negativen Bereich folgt? Schließlich bremst sich die Preisentwicklung auch am Gesamtmarkt ab, der im vergangenen Jahr noch ein Preisplus von rund 5 Prozent aufweisen konnte.

Letztlich kam der Preisrückgang in London nicht überraschend: Gegenüber den noch weitgehend stabilen Hauspreisen sank die Zahl der Transaktionen seit Ende 2015 von mehr als 10.000 monatlich verkauften Objekten spürbar auf 6.000 bis 7.000 Einheiten. Dabei zeigte sich die Marktschwäche zunächst in den teureren Gegenden Londons. Der Brexit, der auf der britischen Konjunktur lastet, im Finanzsektor zu Arbeitsplatzverlagerungen in Richtung Kontinent führt und Investoren verunsichert, ist aber nicht der einzige Bremsklotz für den Londoner Häusermarkt. Dazu kommt die Ende 2014 erfolgte Umstellung in der Besteuerung von Wohnimmobilien. Die Steuersätze für günstigere Immobilien wurden gesenkt, die für teure – was in London für viele Häuser gilt – erhöht. Und seit 2016 wird bei Bestandsimmobilien noch ein Steueraufschlag von 3 Prozentpunkten addiert, der sich bei den hohen Londoner Kaufpreisen entsprechend ausgeprägter bemerkbar macht. Aber auch die teuren Immobilien selbst machen den Londoner Markt anfälliger. Denn hier stieg der durchschnittliche Kaufpreis seit 2012 um über 50 Prozent auf zuletzt etwas mehr als 470.000 britische Pfund, während sich der landesweite Durchschnittspreis in dieser Zeit nur etwa halb so stark auf knapp über 210.000 britische Pfund ausweitete.

Dank des im Vergleich zu London deutlich moderateren Preisniveaus und den niedrigeren Steuern sind die Chancen gut, dass sich der Häusermarkt außerhalb Londons weiterhin etwas besser entwickelt. Viel mehr als eine schwarze Null ist landesweit aber angesichts des gedämpften Marktumfeldes nicht zu erwarten. Darauf deuten schon die insgesamt sinkenden Verkaufszahlen hin. Die Gründe sind die mauen konjunkturellen Aussichten, das gesunkene Konsumentenvertrauen sowie die Aussichten auf in naher Zukunft voraussichtlich wieder steigende Zinsen. Ein Markteinbruch ist aber auch nicht zu erwarten: Das aufgrund des moderaten Neubaus knappe Wohnungsangebot und die voraussichtlich weiterhin vergleichsweise günstigen Finanzierungskonditionen dürften sich stabilisierend auswirken.

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