Brexit – muss nicht sein, kann aber hart werden

Die Brexit-Verhandlungen gehen nur sehr schleppend voran. Bislang hat man sich noch nicht auf die Austrittsmodalitäten geeinigt. Dies ist jedoch – so der aktuelle Stand – Voraussetzung für die EU, um mit den Verhandlungen über die zukünftige Zusammenarbeit zu beginnen. Insgesamt bekommt man zunehmend den Eindruck, dass die britische Regierung keine angemessene oder verlässliche Strategie in den Verhandlungen verfolgt. Angesicht der Vielschichtigkeit der Konsequenzen des Brexit ist dies auch nicht wirklich überraschend. Erschwerend kommt hinzu, dass die Position von Premierministerin May äußerst geschwächt ist.

Die Zeit läuft gegen die britischen und für die europäischen Interessen. Spätestens im Herbst 2018 müssten die Verhandlungen für die Modalitäten des Brexit abgeschlossen sein, da die Ergebnisse noch von den nationalen Parlamenten aller verbleibenden EU-Staaten ratifiziert werden müssen. Wenn nun in den Verhandlungen nicht schnell Fortschritte erzielt werden, gibt es aus meiner Sicht eigentlich nur noch zwei mögliche Szenarien.

Großbritannien könnte ohne Vertrag aus der EU ausscheiden. Damit würde die Großbritannien aus Sicht der EU zu einem Drittland werden – mit all den negativen Konsequenzen für die internationalen Handelsbeziehungen. Eine Rezession im Vereinigten Königreich wäre in einem solchen Szenario sehr wahrscheinlich. Die wirtschaftlichen Folgen für die EU wären ebenfalls negativ, aber verkraftbar. Das politische Signal wäre dagegen sehr negativ.

Die andere Option wäre, dass die britische Regierung den formalen Wunsch des Austritts wieder zurückzieht und damit die Aktivierung von Artikel 50 wieder zurücknimmt. Dies ist nach vorherrschender Meinung jederzeit bis zum Zeitpunkt des faktischen Austritts möglich. Bevor ein solcher Schritt realistisch erscheint, müsste jedoch die jetzige Regierung deutlich umgebaut werden und Premierministerin May zurücktreten. Daraufhin könnte man die britische Bevölkerung noch einmal befragen, um herauszufinden, ob es auch für einen potentiellen harten Brexit eine Mehrheit in der Bevölkerung gibt.

Aus meiner Sicht wäre die zweite Option sicherlich die wünschenswerte, einen harten Brexit zum Stichtag Ende März 2019 kann man jedoch nicht ausschließen. Dass die laufenden Verhandlungen tatsächlich zu einem geregelten Brexit führen, erscheint dagegen zunehmend unwahrscheinlich.

Für den Finanzmarkt ergibt sich beim Thema Brexit zunehmend eine „0/1-Situation“. Ein harter Brexit würde zu deutlichen Verlusten an den Aktienmärkten und für das Pfund führen. Eine Verschiebung oder gar Aufhebung des Brexit dagegen würde sich sehr positiv auf die britischen Finanzmärkte und die Währung auswirken.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 2.88

Ein Kommentar

Ich glaube das die ‚Falken‘ in den Verhandlungen ihre Position ‚No Deal‘ mit dem einfachen Blockieren von jeder Form von sinnvoller Kommunikation durchsetzen.

Das mag nach außen wie keine Strategie aussehen – entspricht aber der Strategie ‚Aussitzen‘.

Damit umzugehen ist für jeden Verhandler äußert schwierig. Ich empfehle sich auf einen extrem harten Brexit einzustellen.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *